Wat mengs du – Was wäre, wenn Sozialunternehmen die Labore der Zukunft wären?
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Fast zehn Jahre nach der Verabschiedung des Gesetzes über Sozialunternehmen (SIS) wird das Potenzial des sozialen Unternehmertums in Luxemburg nach wie vor stark unterschätzt. Oft auf einen separaten Wirtschaftssektor beschränkt, könne die Branche der Wirtschaft jedoch viel bieten, sei es durch die Ausbildung von auf dem Arbeitsmarkt dringend benötigten Arbeitskräften oder durch die Entwicklung technologischer Lösungen. Darauf weist Catherine Wurth, Mitglied der Geschäftsleitung von Co-labor, in dieser Carte blanche hin.
Eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter kann morgens Französisch lernen, nachmittags in der Küche arbeiten und nach mehreren Jahren der Distanz zum Arbeitsmarkt schrittweise wieder berufliche Orientierung gewinnen. Bei Co-labor gehört diese Realität zum Alltag.
Nach fast zehn Jahren in einer der größten europäischen Bankengruppen bin ich 2025 in die Geschäftsleitung dieses luxemburgischen Sozialunternehmens gewechselt, das im Bereich der sozio-professionellen Wiedereingliederung tätig ist – durch lokale Lebensmittelproduktion, biologischen Landbau, Grünflächenpflege und Weiterbildung. Auf den ersten Blick schienen mir diese beiden Bereiche – die Privatwirtschaft und der soziale Sektor – weit voneinander entfernt. Und doch begegnen mir heute dort einige der Fragen, die mich am meisten beschäftigen: Wie können wir Innovation und Unternehmergeist stärker nutzen, um Beschäftigungsfähigkeit neu zu schaffen, mehr lokal zu produzieren, nachhaltig auszubilden und auf soziale Herausforderungen zu reagieren, die selbst in unserem wohlhabenden Luxemburg immer sichtbarer werden?
Ein unterschätzter Sektor
Mehr als zehn Jahre nach der Verabschiedung des Gesetzes über Sozialunternehmen (SIS) wird das Potenzial des Sozialunternehmertums in Luxemburg noch immer weitgehend unterschätzt. Noch immer betrachten wir die Sozialwirtschaft häufig als einen „eigenständigen“ Sektor, der eher der Sozialpolitik als der wirtschaftlichen Innovation zugeordnet wird – obwohl sie gleichzeitig wirtschaftliche, soziale und ökologische Wirkung entfalten kann. Sozialunternehmen sind nicht lediglich Einrichtungen zum sozialen Ausgleich. Sie erproben bereits heute konkrete Antworten auf einige der wirtschaftlichen, menschlichen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit.
"Sozialunternehmen erproben bereits heute konkrete Antworten auf einige der wirtschaftlichen, menschlichen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit."
Catherine Wurth, Mitglied der Geschäftsleitung von Co-labor
Das Modell der sozio-professionellen Wiedereingliederung existiert in Luxemburg seit Jahrzehnten: Der Staat finanziert einen Teil der sozialen Begleitungskosten, während das Unternehmen eine echte wirtschaftliche Tätigkeit entwickelt. Wiedereingliederung bedeutet jedoch nicht, Menschen fern des Arbeitsmarktes einfach "zu beschäftigen". Sie bedeutet, Kompetenzen, Selbstvertrauen und berufliche Perspektiven neu aufzubauen.
Das derzeitige Paradox ist bemerkenswert: Zahlreiche Unternehmen suchen händeringend nach Arbeitskräften, während ein Teil der Bevölkerung dauerhaft vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen bleibt. Warum investieren wir nicht stärker in Strukturen, deren eigentliche Aufgabe genau darin besteht, berufliche Laufbahnen wieder aufzubauen?
Bei Co-labor bilden wir unter anderem Menschen in handwerklichen Berufen wie Gartenbau, Küche oder Lebensmittelproduktion aus – gerade in Bereichen, die heute unter erheblichem Fachkräftemangel leiden.
Mehrere Herausforderungen gleichzeitig bewältigen
Sozialunternehmen bemühen sich kontinuierlich um ein Gleichgewicht zwischen wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Wirkung. Diese Verbindung zeigt sich bei Co-labor ganz konkret in unseren täglichen Aktivitäten: lokale Lebensmittelverarbeitung, kurze Lieferketten, biologischer Landbau, ökologische Grünflächenpflege sowie Direktvermarktung.
Die lokale Verarbeitung von Obst und Gemüse aus Luxemburg reduziert nicht nur bestimmte Abhängigkeiten vom Ausland, sondern schafft zugleich Arbeitsplätze, die auch für Menschen in der Wiedereingliederung zugänglich sind.
Wir investieren zudem in unsere soziale Leistungsfähigkeit. Sprachkenntnisse stellen beispielsweise nach wie vor eine der größten Hürden für den Zugang zum Arbeitsmarkt dar. Im Rahmen des Nationalen Aktionsplans gegen Armut erproben wir derzeit Französischkurse direkt am Arbeitsplatz. Eine Sprache im Klassenzimmer zu lernen und sie in einem beruflichen Umfeld zu erlernen, sind zwei sehr unterschiedliche Erfahrungen.
Die Pandemie, die Energiekrisen und internationale Spannungen haben uns vor Augen geführt, wie verwundbar unsere Volkswirtschaften weiterhin sind. Sozialunternehmen zeigen, dass eine einzige Tätigkeit gleichzeitig zur Beschäftigung, Qualifizierung, Ernährungssicherheit und zum sozialen Zusammenhalt beitragen kann.
Catherine Wurth
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Catherine Wurth ist seit mehreren Jahren in den Bereichen Unternehmensführung, organisatorische Transformation und nachhaltige Entwicklung tätig. Als Mitglied der Geschäftsleitung von Co-labor begleitet sie die Aktivitäten und Transformationsprojekte dieses Sozialunternehmens, das sich für berufliche Eingliederung und nachhaltige Wirtschaft einsetzt. Bevor sie zu Co-labor kam, leitete sie die Abteilung für Nachhaltigkeit bei BGL BNP Paribas. Darüber hinaus engagiert sie sich in verschiedenen Vereinen und philanthropischen Initiativen, insbesondere bei der André-Losch-Stiftung und dem Verband junger Unternehmensleiter*innen.
Wir akzeptieren ohne Weiteres, Millionenbeträge in technologische Innovationen oder Infrastrukturen zu investieren. Wenn es jedoch darum geht, in Modelle zu investieren, die Beschäftigungsfähigkeit und sozialen Zusammenhalt stärken, wird die Diskussion sofort zu einer Budgetfrage. Luxemburg könnte wahrscheinlich noch weiter gehen, indem es soziale Innovationen und wirkungsorientiertes Unternehmertum stärker unterstützt.
Derzeit basiert die öffentliche Unterstützung des Sozialsektors vor allem auf einer Logik von Mitteln und Budgets. Dieser Ansatz bleibt selbstverständlich unverzichtbar, insbesondere in Bereichen, in denen sich menschliche Wirkung nicht immer in Zahlen ausdrücken lässt. Luxemburg könnte jedoch auch verstärkt Mechanismen prüfen, die den langfristig geschaffenen Nutzen berücksichtigen: die Rückkehr in Beschäftigung, den Erwerb von Kompetenzen oder die Verringerung von Armut.
In mehreren europäischen Ländern sind Sozialunternehmen bereits stärker in die Wirtschafts- und Sozialpolitik integriert. In Frankreich enthalten öffentliche Ausschreibungen beispielsweise häufiger soziale Kriterien, damit Integrationsunternehmen an öffentlichen Projekten teilnehmen und konkrete Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen können. Frankreich und Deutschland haben darüber hinaus echte Ökosysteme für soziale Innovation entwickelt – mit Inkubatoren, Acceleratoren und speziellen Fonds für Sozialunternehmertum. Akteure wie Simplon im Bereich der Ausbildung für digitale Berufe oder Too Good To Go im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung zeigen, dass sich Modelle entwickeln lassen, die zugleich innovativ, gesellschaftlich nützlich und wirtschaftlich tragfähig sind.
Die entscheidende Frage lautet daher vielleicht nicht nur, wie soziale Maßnahmen stärker finanziert werden können. Vielmehr geht es darum, in Luxemburg ein Umfeld zu schaffen, in dem Unternehmerinnen und Unternehmer ihre Energie darauf verwenden können, gesellschaftliche Probleme mit derselben Ambition und derselben Anerkennung zu lösen wie diejenigen, die technologische Innovationen entwickeln.
Wat mengs du?
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