Was mengs du? – Damit unsere Kinder das Land, das wir lieben, noch wiedererkennen
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Die Hitzewellen, die diesen Frühling und Sommer in Luxemburg geprägt haben, erinnern uns an eine Realität, die sich nur noch schwer ignorieren lässt: Der Klimawandel ist längst keine weit entfernte Sorge mehr. Er betrifft inzwischen unsere Gesundheit, unseren Alltag und die Orte, mit denen wir verbunden sind. Darauf weist Andrew Ferrone, Klimatologe und Direktor für europäische und internationale Angelegenheiten im Ministerium für Umwelt, Klima und Biodiversität, in einem Gastbeitrag hin.
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Wie viele Menschen, die in Luxemburg leben, war auch ich beunruhigt, als ich sah, wie sich die Hitze Woche für Woche festsetzte. In meinem Beruf beschäftige ich mich mit dem Klimawandel anhand von Zahlen, Temperaturrekorden oder Szenarien für die kommenden Jahrzehnte. Doch angesichts einer Hitzewelle sind es nicht die Statistiken, die einem zuerst in den Sinn kommen.
Ich denke dann an meine Kindheitsferien in Südfrankreich zurück. Im Sommer färbten sich dort die Felder und Wiesen unter der Hitze und dem Wassermangel gelb. Damals erschien mir das als Teil der mediterranen Landschaft.
In diesem Sommer hatte ich in Luxemburg bisweilen das Gefühl, dieselben Bilder wiederzusehen. Ausgetrocknete Wiesen. Vom Wassermangel verhärtete Böden. Eine Vegetation, die sich gegen die langen Hitzeperioden zu behaupten versucht. Flüsse und Bäche, deren Pegel sinkt. Was mir als Kind weit entfernt erschien, wird heute zur Realität. Wie viele Einwohner*innen ertappte auch ich mich dabei, zum Himmel zu schauen und auf Regen zu hoffen.
"Letztlich erinnert uns die Hitze daran, was wirklich zählt: die Gesundheit unserer Angehörigen, unsere Lebensqualität und die Landschaften, die uns umgeben."
Der Klimawandel wird dadurch sehr konkret. Er lässt sich nicht mehr nur in Grad messen, sondern zeigt sich in unserem Alltag und in der Aufmerksamkeit, die wir den Menschen widmen, die uns wichtig sind. Wir schlafen schlechter. Wir suchen den Schatten. Wir rufen häufiger unsere Eltern oder Angehörigen an. Wir denken mehr an besonders gefährdete Menschen, an kleine Kinder oder an Menschen, die im Freien arbeiten.
Letztlich erinnert uns die Hitze daran, was wirklich zählt: die Gesundheit unserer Angehörigen, unsere Lebensqualität und die Landschaften, die uns umgeben. Unsere Dörfer. Die Flüsse und Bäche, die das Land durchqueren. Die Wiesen und Wälder des Gutlands und des Ösling. All diese vertrauten Orte, die Luxemburg ausmachen und denen wir tief verbunden sind.
Die Überschwemmungen im Juli 2021 hatten uns bereits gezeigt, wie fragil diese Bezugspunkte sein können. Heute stehen die Hitzewellen im Mittelpunkt. Morgen wird es vielleicht ein anderes Extremereignis sein. Wir können nicht genau wissen, welche die nächste Klimakrise sein wird. Wir können uns jedoch darauf vorbereiten.
Glücklicherweise handeln wir bereits. Überall im Land bereiten sich Gemeinden, Forscher*innen, Verbände, öffentliche Dienste und Bürger*innen auf Hitzewellen, Überschwemmungen und andere Extremereignisse vor.
Über den Autor
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Andrew Ferrone ist Direktor für europäische und internationale Angelegenheiten im Ministerium für Umwelt, Klima und Biodiversität.
Als promovierter Klimatologe ist er an den internationalen Klimaverhandlungen sowie an der Umsetzung der internationalen Klimafinanzierung beteiligt, unter anderem als luxemburgischer Ansprechpartner beim Zwischenstaatlichen Ausschuss für Klimaänderungen (IPCC) und beim Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC).
Er ist davon überzeugt, dass ambitionierte Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit sowohl auf einer fundierten wissenschaftlichen Grundlage als auch auf der Fähigkeit beruhen, Konsens zu schaffen. Sein besonderes Interesse gilt daher den Zusammenhängen zwischen Umweltfragen, Governance und gesellschaftlichen Auswirkungen.
Luxemburg hat eine nationale Anpassungsstrategie verabschiedet. Hinter ihren zahlreichen Maßnahmen steht eine einfache Idee: die Bevölkerung besser vor Ereignissen zu schützen, die wir früher für außergewöhnlich hielten. Mehrere Maßnahmen sind bereits angelaufen, etwa zur Bekämpfung von Hitzeinseln, zum Wassermanagement oder zum Schutz besonders gefährdeter Menschen. Resilienz entsteht nicht von heute auf morgen. Sie entsteht über einen längeren Zeitraum.
Auch die Wissenschaft bietet Grund zur Hoffnung. Die Universität Luxemburg trägt gemeinsam mit der Regierung dazu bei, die Zusammenhänge zwischen Klima, Biodiversität, Wasser, Gesundheit und Lebensqualität besser zu verstehen. Diese Zusammenarbeit hilft uns, die Herausforderungen der Zukunft besser vorherzusehen.
Doch dabei dürfen wir nicht stehen bleiben. Anpassung ist unerlässlich, um unsere Familien und unsere Gebiete zu schützen. Doch selbst die bestmöglich vorbereitete Gesellschaft wird an Grenzen stoßen, wenn sich die Erwärmung weiter beschleunigt. Deshalb müssen Anpassung und Emissionsminderung Hand in Hand gehen.
Die Verringerung von Umweltverschmutzung und Emissionen bleibt eines der wirksamsten Mittel, um die Risiken zu begrenzen, denen künftige Generationen ausgesetzt sein werden. Jedes vermiedene Zehntelgrad zählt. Jede beseitigte Quelle der Umweltverschmutzung verbessert unsere Gesundheit, schützt die Biodiversität und verringert die Risiken, denen künftige Generationen ausgesetzt sein werden.
Letztlich ist die Klimafrage nicht nur eine Umweltfrage. Sie ist zutiefst menschlich. Welches Land wollen wir unseren Kindern hinterlassen? Ein Land, das die Schwächsten schützt, seine Landschaften bewahrt und sich auf Extremereignisse vorbereitet, anstatt ihnen ausgeliefert zu sein.
Wenn dieser Gastbeitrag erscheint, könnte Luxemburg bereits mit einer neuen Hitzewelle konfrontiert sein. Oder das Wetter hat uns vielleicht eine willkommene Atempause beschert. Doch die Botschaft dieses Sommers wird dieselbe bleiben. Wir haben viel zu schützen, aber auch viel zu stärken: eine Gesellschaft, die den Herausforderungen, die vor ihr liegen, gewachsen ist, ohne das zu verlieren, was ihren Reichtum ausmacht.
Wenn ich an die Landschaften meiner Kindheit in Südfrankreich zurückdenke, habe ich viele schöne Erinnerungen. Doch ich wünsche mir, dass die Wiesen des Gutlands, die Wälder des Ösling und die Flüsse und Bäche, die unser Land durchqueren, ihren eigenen Charakter noch lange bewahren. Ich wünsche mir, dass künftige Generationen die Landschaften, die uns heute vertraut sind, noch erkennen und lieben können, ohne die Trockenheit, die ich einst mit anderen Regionen Europas verband, als normal zu betrachten. Auch das ist Resilienz: die Zukunft vorzubereiten, ohne auf das zu verzichten, was unsere Identität ausmacht.
Wat mengs du?
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Einmal im Monat geben wir einer Stimme Raum – einer Person, die aufgrund ihres Studiums, ihres Berufs oder ihrer persönlichen Erfahrung Expert*in auf einem Gebiet ist: Expert*innen des Alltags, einer Krankheit, einer besonderen Lebenssituation – oder einfach nur eine Peron mit einer klaren Meinung.
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