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Dieser Podcast heißt 1cm. Das heißt: ein Zentimeter. Manchmal macht ein kleiner Unterschied sehr viel aus. Zum Beispiel ein Parkplatz.
Hallo und willkommen zu einem neuen Teil von 1 Zentimeter.
Im ersten Teil haben wir gesehen:
Es gibt Ateliers und den ersten Arbeits-Markt.
In den Ateliers bekommt man mehr Hilfe.
Der erste Arbeits-Markt ist zum Beispiel: Gemeinde, Firma, …
Menschen mit einer Beeinträchtigung bekommen oft nicht genug Hilfe auf dem ersten Arbeits-Markt.
Aber was ist, wenn man sein eigener Chef ist?
Ist das einfacher?
In diesem Teil sprechen wir mit 2 Menschen.
Michèle ist 40 Jahre alt.
Sie hat ihre eigene Firma gemacht.
Die Firma macht Werbung.
Joel ist 35 Jahre alt.
Er hat eine eigene App gemacht.
Michèle und Joel sind selbst-ständig.
Das heißt: Sie sind ihr eigener Chef.
Und sie haben eine Beeinträchtigung.
Michèle
Michèle hat viele Jahre für verschiedene Firmen gearbeitet.
Zum Beispiel für die Fedil.
Fedil ist eine Gruppe von Firmen aus dem Land Luxemburg.
Dann hat sie ihre eigene Firma gemacht.
Die Firma heißt: WildSolutions.
Das ist ein englisches Wort.
Man spricht es so aus: U-ei-lt So-lu-schöns.
Es ist eine Firma für Werbung im Internet.
Dann hat Michèle erfahren, dass sie krank ist.
Sie hat Lupus.
Lupus ist eine Krankheit.
Das schwere Wort ist: Auto-Immun-Krankheit.
Wir erklären das jetzt.
Der Körper hat ein Immun-System.
Man sagt auch: Abwehr-System.
Das Abwehr-System schützt den Körper vor Krankheiten.
Zum Beispiel: wenn man Schnupfen hat.
Bei einer Auto-Immun-Krankheit ist ein Fehler im Abwehr-System.
Das Abwehr-System greift dann den Körper an.
Zum Beispiel: die Gelenke, Nieren oder die Haut.
Michèle erklärt, wie sich Lupus bei ihr anfühlt
Michèle sagt: Lupus ist eine Krankheit, die bei jedem anders ist.
Michèle ist oft sehr müde.
Das schwere Wort dafür ist: Fatigue.
Das ist ein französisches Wort.
Man spricht es so aus: Fatieg.
Michèle ist nicht normal müde.
Der ganze Körper zieht nach unten.
Es ist auch schwer zu denken.
Das nennt man Brain Fog.
Das ist ein englisches Wort.
Das heißt: Das Gehirn ist wie im Nebel.
Michèle hat oft Gelenk-Schmerzen.
Michèle lernt, mit ihrer Krankheit zu leben
Michèle hat gelernt, jeden Morgen ihren Körper zu befragen.
Was kann ich heute?
Was kann ich nicht?
Muss ich langsam anfangen?
Oder kann ich schon morgens viel machen?
Jeder Tag ist anders.
Michèle erklärt, wie sie ihren Tag plant.
Michèle sagt: Sie macht maximal 1 oder 2 Termine am Tag.
Für Michèle ist es anstrengend Auto zu fahren.
Sie macht viele Termine über Video.
Das geht, weil sie offen über ihre Krankheit spricht.
Auch mit ihren Kunden.
Die wissen das und akzeptieren es.
Michèle hat auch 2 Mitarbeiter.
Das wollte sie so.
Sie kann nicht mehr alles alleine machen.
Das ist zu viel Stress.
Und Stress macht ihre Krankheit schlimmer.
Das Resultat (Diagnose) der Krankheit kam spät
Michèle hat lange nicht gewusst, was mit ihr nicht stimmt.
Am Anfang haben die Ärzte gesagt: Es ist nichts da.
Oder: Vielleicht bist du depressiv.
Depressiv heißt: eine Person fühlt sich lange Zeit sehr traurig und kraftlos.
Oder: Trink Wasser, dann geht es dir bestimmt besser.
Michèle sagt: Die Ärzte sagten ihr, sie ist depressiv.
Oder sie sollte sich weniger stressen.
Oder mehr Wasser trinken.
Aber diese Erklärungen haben nicht gepasst.
Denn Michèle hatte eine körperliche Erkrankung.
Die Ärzte haben zu lange gebraucht, um das zu erkennen.
Nach 6 Monaten hat Michèle endlich ein Resultat bekommen.
Sie hat Lupus.
Das ist eine Auto-Immun-Krankheit.
Das heißt: Wenn sie nicht aufpasst, kann die Krankheit schlimmer werden.
Dann könnten Organe Schaden bekommen.
Und sie müsste dann stärkere Medikamente nehmen.
Der Papier-Kram und die Kosten
Michèle geht fast jede Woche zum Arzt.
Das kostet Zeit.
Das kostet Energie und ist anstrengend.
Und es kostet auch Geld.
Denn sie muss die Rechnungen oft selbst vorstrecken.
Vorstrecken heißt: Sie bezahlt zuerst selbst
und bekommt das Geld später zurück.
Michèle sagt: Die Krankenkasse schickt manchmal einen Brief.
Im Brief steht: Sie bekommen von uns kein Geld mehr.
Dann muss sie wieder zum Arzt.
Der Arzt muss einen Bericht schreiben.
Nur um zu sagen, dass sie wirklich krank ist.
Das ist sehr viel Arbeit.
Auf Englisch sagt man: das ist ein mental load.
Das heißt: Es kostet sehr viel Kraft im Kopf.
Joel
Joel ist 35 Jahre alt.
Bei ihm wurde als Kind ADHS fest-gestellt.
Das ist eine Aufmerksamkeits-Störung.
Das heißt: Es ist schwerer, sich zu konzentrieren.
Als erwachsene Person hat er heraus-gefunden, dass er Autismus hat.
Joel sagt: Er hat ein Buch über einen Mann mit Autismus gelesen.
Jede Seite, die er gelesen hat, hat er gedacht: Das bin ich.
Er hat dann noch 4 bis 5 Jahre gewartet, bevor er zum Arzt gegangen ist.
Aber für Joel war es schon klar.
Was Autismus und ADHS heißen.
Joel sagt: Sein Gehirn nimmt alles auf.
Jedes Geräusch, jedes Licht, jede Temperatur – alles kommt gleichzeitig an.
Das kostet sehr viel Kraft.
Er wirkt dann genervt oder müde.
Aber Joel meint das nicht böse.
Es ist einfach, wie sein Gehirn funktioniert.
Joel hat die App AutiHD gemacht.
Die App hilft Personen mit Autismus oder ADHS im Alltag.
Joel sagt: Die App hilft, den Alltag zu planen.
Es gibt einen Kalender.
Es gibt einen Chat mit künstlicher Intelligenz (KI).
Das Wort künstliche Intelligenz heißt: ein Computer, der antwortet, wie eine Person.
Die App hilft dabei, Stress zu überwachen.
So kann Joel besser auf sich aufpassen.
Und Joel hilft auch Firmen, wie sie inklusiver werden können.
"Gib deine Träume nicht auf."
Michèle
Warum eine App?
Joel erklärt das.
Joel sagt: zum Beispiel, es gibt zu wenig Spezialisten.
Wenn man einen Psychologen braucht, wartet man sehr lange.
Die App ersetzt keinen Spezialisten.
Zum Beispiel: Psychologen.
Aber sie hilft für die Zeit dazwischen.
Und das geht gut auf dem Handy.
Selbst-ständig sein – Vor- und Nachteile
Selbst-Ständig heißt: man ist sein eigener Chef.
Als Selbst-Ständiger kann man seinen Tag selbst planen.
Wenn es einem gut geht, arbeitet man mehr.
Wenn es einem schlecht geht, macht man langsam.
Diese Freiheit haben nicht alle Personen.
Joel erklärt, was für ihn am besten geht.
Joel sagt: Es geht am besten, wenn die Leute ihn ernst nehmen.
Wenn er sagt, er braucht Ruhe – dann braucht er wirklich Ruhe.
Als Selbst-Ständiger ist das schwer.
Denn er ist der Chef.
Er kann nicht immer absagen.
Was Firmen machen können
Joel hilft auch Firmen.
Er erklärt ihnen,
wie sie besser mit Personen mit Autismus oder ADHS arbeiten können.
Joel erklärt, was kleine Veränderungen machen.
Joel sagt: Das Wichtigste ist, dass man die Personen versteht.
Zum Beispiel: Eine Person mit Autismus antwortet auf "Wie geht's?" oft nicht.
Nicht weil er unhöflich ist.
Sondern weil diese Frage für ihn keinen Sinn macht.
Wenn man das versteht, ist es für die Person viel einfacher.
Manchmal ist das Licht im Büro zu hell.
Oder eine Person trägt zu viel Parfum.
Kleine Änderungen können sehr viel machen oder verändern.
Episod 2: De Joel huet sech mat enger eegener Software-Entreprise onofhängeg gemaach.
Joel erklärt auch, warum gemischte Arbeits-Gruppen besser sind.
Joel sagt: Eine gemischte Arbeits-Gruppe ist das Beste.
Personen mit und ohne Neuro-divergenz.
Das Wort Neuro-divergenz heißt:
Das Gehirn funktioniert anders als bei den meisten Personen.
Eine Person mit Autismus sieht zum Beispiel jedes Detail.
Eine Person ohne Autismus sieht eher das Gesamtbild.
Die Stärken und Schwächen der Personen ergänzen sich.
Beide zusammen ergeben eine starke Arbeits-Gruppe.
Was ist der Statut de salarié handicapé?
Im Land Luxemburg gibt es einen Status für Personen mit einer Beeinträchtigung.
Das heißt: Statut de salarié handicapé.
Das ist ein offizielles Papier vom Land Luxemburg.
Es bestätigt, dass jemand eine Beeinträchtigung hat.
Mit diesem Status hat man verschiedene Rechte bei der Arbeit.
Zum Beispiel: man hat 6 Urlaubstage pro Jahr mehr.
Oder die Möglichkeit, den Arbeitsplatz anzupassen.
Und der Chef kann eine Geld-Hilfe beantragen.
Viele Personen wissen nicht, dass es diesen Status gibt.
Was Experten sagen
Andrea Di Ronco arbeitet bei Info Handicap.
Er erklärt, warum viele Personen ihren Status nicht zeigen wollen.
Andrea Di Ronco sagt:
Viele Personen verstecken ihre Beeinträchtigung so lange wie möglich.
Oft bis es nicht mehr geht, dann geht es ihnen sehr schlecht.
Manchmal wissen sie einfach nicht, dass es den Status gibt.
Christine Zimmer ist die Direktorin (Chefin) von Info Handicap.
Sie erklärt, ob man seinen Arbeitgeber über den Status informieren soll.
Arbeitgeber heißt: Eine Person gibt einer anderen Person eine Arbeit.
Christine Zimmer sagt:
Man soll dem Arbeitgeber Bescheid sagen.
Nur so kann der Arbeitgeber sehen:
- was kann die Person machen?
- oder was kann die Person nicht machen?
Und nur so kann er helfen.
Außerdem: Nicht jede Person mit einer Beeinträchtigung braucht den Status.
Viele arbeiten auf dem Arbeits-Markt ohne Status.
Das heißt: die Arbeit muss nicht angepasst werden.
Freundschaft und Hilfe
Michèle und Christine kennen sich sehr gut.
Christine ist Michèles beste Freundin.
Sie arbeitet bei Info Handicap.
Christine erzählt, wie das ist.
Christine sagt: Eine betroffene Person zu kennen, hilft die Beeintraechtigung zu verstehen.
Im Alltag sieht man:
Was es heißt, eine Beeinträchtigung zu haben, die man nicht direkt sieht.
Aber vor allem: Michèle ist ihre beste Freundin als Person.
Nicht wegen ihrer Beeinträchtigung.
Und sie passen zusammen auf-einander auf.
Michèle Vallenthini
Tipps von Michèle
Michèle gibt anderen Selbst-Ständigen einen Tipp mit auf den Weg.
Selbst-Ständig heißt: Man ist sein eigener Chef.
Michèle sagt:
Sie war immer gesund und fit.
Denn sie war voller Energie.
Sie hat gedacht: sie kann nicht krank werden.
Das war ein Fehler.
Ihr Tipp: wenn man Selbst-ständig ist, braucht man Sicherheit.
Das heißt: Meldet euch bei der Mutualité des employeurs an.
Das ist die Kranken-Versicherung für Selbst-Ständige im Land Luxemburg.
Man muss die CCSS zahlen.
Das ist die Sozial-versicherung im Land Luxemburg.
Bezahl dir selbst einen guten Lohn (Pai).
Das ist die Basis.
Denn von einer Sekunde auf die andere kann sich alles ändern.
Schlechte Momente
Michèle erzählt, dass sie auch schlechte Momente hatte.
Michèle sagt: Gib deine Träume nicht auf.
Ja, es gibt schlechte Momente.
Aber es geht weiter.
Sie hat sich einen Pin (kleines Schild) gekauft.
Darauf steht: "Okay, but did you die?"
Das heißt auf Deutsch:
Bist du gestorben?
Nein.
Also weiter machen.
Was haben wir gelernt?
Selbst-Ständigkeit für Personen mit einer Beeinträchtigung,
kann mehr Freiheit heißen.
Man kann den Alltag selbst planen.
Aber es ist nicht immer einfach.
Man muss auf sich selbst aufpassen.
Man braucht ein gutes Umfeld.
Das heißt: Familie und Freunde.
Und man muss ehrlich über die eigenen Probleme sprechen.
Man muss nicht viel machen, um Personen zu helfen.
Manchmal ist es nur ein Zentimeter.
Nächster Teil
Im nächsten Teil besuchen wir Menschen in einem Inklusionsatelier.
Das ist ein Arbeitsplatz für Personen mit einer Beeinträchtigung.
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