1 cm in Leichter Sprache - Folge 1: Lebens-Unfälle

Von Lëtzebuerger Journal

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Dieser Podcast heißt 1cm. Das heißt: ein Zentimeter. Manchmal macht ein kleiner Unterschied sehr viel aus. Zum Beispiel ein Parkplatz.

Worum geht es in diesem Podcast?

Im Land Luxemburg gibt es viele Personen mit einer Beeinträchtigung.

Das Wort Beeinträchtigung heißt:

Eine Person hat zum Beispiel Schwierigkeiten beim Gehen.

Oder beim Hören.

Oder beim Denken.

Viele Personen mit einer Beeinträchtigung arbeiten.

Aber nicht alle finden leicht eine Arbeit.

In diesem Podcast begleiten wir Personen mit einer Beeinträchtigung bei ihrer Arbeit.

Was wir noch sagen.

Viele Personen werden nicht mit einer Beeinträchtigung geboren.

Viele Personen bekommen ihre Beeinträchtigung später im Leben.

Zum Beispiel: Durch einen Unfall (Accident).

Oder durch eine Krankheit.

Das kann jeder Person passieren.

Julien

Julien ist 45 Jahre alt.

Er ist Koch.

Mit 15 Jahren hat er angefangen als Koch zu arbeiten.

Er hat in Frankreich und im Land Luxemburg gearbeitet.

Er hat auch in einem Restaurant mit 3 Michelin-Sternen gearbeitet.

Das ist ein Preis für ein gutes Restaurant.

Dann hat sich das Leben von Julien ganz verändert.

Was ist Julien passiert?

In einer Nacht hat das Herz von Julien aufgehört zu schlagen.

Das nennt man einen Herz-Stillstand.

Seine Freundin hat das bemerkt.

Sie hat versucht Erste-Hilfe zu machen.

Sie hat den Notruf 112 angerufen.

Die Feuerwehr kam in 7 Minuten.

Sie haben Julien gerettet.

Julien erzählt, was in dieser Nacht passiert ist.

Julien sagt: Er hatte großes Glück.

Seine Freundin hat ihm das Leben gerettet.

Und die Feuerwehr war sehr schnell da.

"Ich hatte großes Glück."

Julien

Das Leben nach dem Herzstillstand

Nach dem Herz-Stillstand musste Julien alles neu lernen.

Er musste wieder lernen zu sprechen, zu gehen und zu essen.

Der Herz-Stillstand hat Julien auch das Denken schwerer gemacht.

Das nennt man eine kognitive Beeinträchtigung.

Das Wort kognitiv heißt: Denken und Verstehen.

Julien hat zum Beispiel Schwierigkeiten mit dem Kurz-Zeit-Gedächtnis.

Das heißt: Sachen die gerade passiert sind, vergisst er sehr schnell.

Julien erklärt, wie sich sein Leben verändert hat.

Julien sagt: Er hat alles neu gelernt.

Sogar sprechen.

Julien sucht Arbeit.

Julien hat versucht, wieder als Koch zu arbeiten.

Er hat viele Briefe mit Bewerbungen gesendet.

Manche Restaurants wollten ihn sehen.

Aber es hat nicht geklappt.

Das Restaurant wollte, dass Julien sehr schnell arbeitet.

Aber Julien kann nach seinem Herz-Stillstand nicht mehr schnell arbeiten.

Julien sagt: Es klappt, weil niemand ihn unter Druck setzt.

Stress würde ihn überfordern.

Deshalb geht es so gut.

Der geschützte Arbeitsbereich.

Dann hat Julien den geschützten Arbeitsbereich gefunden.

Auf Französisch heißt das: Atelier d'inclusion professionnelle.

Das ist ein Arbeits-Platz für Personen mit einer Beeinträchtigung.

Die Arbeit ist dort für Julien angepasst.

Es gibt dort weniger Stress.

Das Personal und Vorgesetzte (Responsables) haben mehr Rücksicht.

Julien arbeitet jetzt in der Coopération in Wiltz.

Dort gibt es eine Küche.

Er kann dort als Koch arbeiten.

Julien erklärt, warum es dort gut für ihn geht.

Julien Gouttin

Martina

Martina hat als Übersetzerin gearbeitet.

Sie hat in einer Computer-Firma gearbeitet.

Nach 5 Jahren bekam sie eine neue Position.

Sie hat eine Gruppe von Computer-Spezialisten geleitet.

Das hat ihr Spaß gemacht.

Dann ist sie in die Ferien (Congé) gefahren.

Martina erzählt von ihrer Arbeit vor dem Unfall.

Martina sagt: Sie hat ihre Arbeit gerne gemacht.

Es war nie langweilig.

Was Martina passiert ist

Martina und ihr Mann sind Taucher.

Sie sind nach Ägypten geflogen, um zu tauchen.

Beim Auftauchen ist etwas schief gelaufen.

Martina hatte einen Tauchunfall.

Das nennt man einen Dekompressions-Unfall.

Das Wort Dekompression heißt: 

Der Druck im Körper verändert sich beim Auftauchen.

Wenn das zu schnell passiert, kann der Körper Schaden nehmen.

 

Martina Oger

Martina erzählt von dem Unfall.

Martina sagt: Sie ist normal ins Wasser gegangen.

Beim Auftauchen ist etwas schief gelaufen.

Sie hatte einen Dekompressions-Unfall.

Martina musste danach 2 Wochen in eine Druck-Kammer.

Das ist ein besonderer Raum aus Metall.

In dem Raum ist sehr gute Luft.

Die Luft hat viel Sauerstoff.

Sauerstoff ist gut für den Körper.

Der Sauerstoff hilft Martina, wieder gesund zu werden.

Dann wurde sie mit dem Rettungs-Hub-Schrauber (Helikopter Air-Rescue) nach Luxemburg gebracht.

Danach war sie noch einen Monat im Krankenhaus in Esch sur Alzette.

Martinas Beeinträchtigungen

Martina hat durch den Unfall mehrere Beeinträchtigungen bekommen.

Sie hat Lähmungen in den Beinen.

Das heißt: Die Beine gehen nicht mehr richtig.

Sie kann manchmal ihre Bewegungen nicht unter Kontrolle halten.

Auf dem linken Ohr hört sie fast nichts mehr.

Martina erklärt ihre Beeinträchtigungen.

Martina sagt: Sie hat Probleme mit dem Gleichgewicht.

Ihre Beine sind gelähmt.

Und auf dem linken Ohr hört sie fast nichts mehr.

Martinas Rückkehr zur Arbeit

Nach einem Jahr Krankschreibung (Kranken-Schain) wollte Martina zurück zur Arbeit.

Das war klar für sie.

Sie hat mit 2 Stunden Arbeit pro Tag angefangen.

Morgens vor der Arbeit hatte sie Therapie.

Dann ist sie zur Arbeit gefahren.

Dann hat sie für den Rest von dem Tag geschlafen.

Das war sehr anstrengend.

Martina erzählt, wie die Rückkehr zur Arbeit war.

Martina sagt: Therapie, dann 2 Stunden Arbeit, dann nach Hause.

Und dann war sie ganz müde.

Nach einiger Zeit hat Martina ihre Position als Chefin abgegeben.

Das war die richtige Entscheidung für sie.

Sie hatte auch ein kleines Mädchen.

Jeden Morgen Therapie.

Und viel Arbeit.

Das zusammen war zu viel.

Als einfache Übersetzerin konnte sie weiterarbeiten.

Das hat sie viele Jahre gut gemacht.

Das Problem mit dem Parkplatz

Im Jahr 2025 ist das Büro von Martina umgezogen.

Das neue Büro ist weiter weg.

Martina kann nicht mehr mit dem Bus zur Arbeit fahren.

Mit ihrer Beeinträchtigung ist das Fahren mit dem Bus zu schwer geworden.

Sie braucht einen Parkplatz (Parking) in der Nähe vom Eingang der Firma.

Und sie braucht einen Parkplatz in der Nähe der Toiletten.

Sie hat per E-Mail nach einem solchen Parkplatz gefragt.

Martina erzählt, welche Antwort sie bekommen hat.

Martina sagt: Die Antwort war: "Kannst du nicht den Bus nehmen?"

Sie war sehr erschrocken.

Das neue Büro hatte genug Parkplätze.

Aber Martina hat keinen bekommen.

"Mir ging es einfach nicht gut."

Martina

Was dieser Stress mit Martina gemacht hat

Martina konnte 2 Monate lang nicht gut schlafen.

Ihr Körper hatte nicht mehr so viel Kraft.

Sie konnte fast nicht mehr gut gehen.

Sie war müde und traurig.

Martina erzählt, wie es ihr in dieser Zeit gegangen ist.

Martina sagt: Sie konnte kaum schlafen.

Sie konnte kaum mehr gehen.

Es ging ihr einfach nicht gut.

Martinas Mann sagt immer:

Martinas Mann sagt: Das alles wegen eines Parkplatzes.

Martina sagt: Für viele Personen ist ein Parkplatz nichts.

Aber für sie ist ein Parkplatz der Zugang zur Arbeit.

Am Ende hat Martina entschieden, 

in den Vor-Ruhe-Stand (Fréih-Pension) zu gehen.

Das heißt: Sie hört früher auf zu arbeiten als geplant.

Was ist ein Atelier d'inclusion professionnelle?

Das ist ein besonderer Arbeitsplatz für Personen mit einer Beeinträchtigung.

Man braucht ein offizielles Papier, um dort zu arbeiten.

Auf dem Papier steht: Man hat den Statut. 

Das schwere Wort ist: Statut de salarié handicapé.

Das ist ein offizielles Papier vom Land Luxemburg.

Das Papier sagt, dass jemand eine Beeinträchtigung hat.

Mit diesem Papier kann man eine Arbeit im Atelier beantragen.

Eine Versammlung schaut dann, ob man dort arbeiten kann.

Die Arbeit in einem Atelier ist eine richtige Arbeit.

Die Personen dort haben einen richtigen Kontrakt.

Sie haben echte Verantwortungen.

Sie arbeiten sowie du und ich.

Sarah Albrecht ist die Direktorin von der Coopération in Wiltz.

Coopération ist ein Atelier. 

Sara Albrecht erklärt, wie die Arbeit dort aussieht.

Sarah Albrecht sagt: 

Die Personen dort haben echte Verantwortungen (Responsabilitéiten).

Sie kochen wirklich mit.

Und sie können mit-entscheiden.

Wie viel Geld bekommt man im Atelier d'inclusion professionnelle?

Im Atelier d'inclusion professionnelle bekommt man den Mindest-Lohn.

Bei Julien zum Beispiel ist das weniger Geld als vorher.

Julien hat früher mehr Geld bekommen.

Er hofft, irgendwann den qualifizierten Mindest-Lohn zu bekommen.

Das ist etwas mehr Geld als der normale Mindest-Lohn.

Er muss dafür 2 Jahre im Atelier arbeiten.

Julien erklärt, was ihm dabei wichtig ist.

Julien sagt: Er hat 30 Jahre als Koch gearbeitet.

Er will, dass die 30 Jahre anerkannt werden.

Julien hofft, eines Tages wieder mehr Geld zu bekommen.

Wo bekommt man Hilfe?

Info Handicap ist eine Organisation (Service) im Land Luxemburg.

Sie helfen Personen mit einer Beeinträchtigung.

Info Handicap gibt Infos an die Personen.

Sie helfen den Personen bei Problemen.

Der Minister für Inklusion im Land Luxemburg heißt: Max Hahn.

Im Land Luxemburg gibt es noch keinen großen Platz für Fragen und Hilfe.

Der Plan heißt: One-Stop-Shop. 

Das heißt: Ein Platz, wo man alles Fragen kann. 

Zum Beispiel: 

  • Wie bekomme ich einen Parkplatz?
     
  • Wie finde ich Arbeit?
     
  • Wo kann ich wohnen? 

Diesen One-Stop-Shop gibt es schon, aber etwas kleiner. 

Zum Beispiel: Info Handicap. 

Aber der große One-Stop-Shop kommt noch. 

Was nehmen wir mit?

Der  Arbeits-Markt ist oft nicht gut für Personen mit einer Beeinträchtigung.

Das muss sich ändern.

Arbeit-geber (Patrons) müssen Personen mit einer Beeinträchtigung mehr helfen. 

Man muss nicht viel machen, um Personen zu helfen.

Manchmal ist es nur ein Zentimeter.

Nächster Teil

Im nächsten Teil besuchen wir Michèle Vallenthini und Joël Schmit.

Sie sind selbst-ständig.

Das heißt: Sie sind ihr eigener Chef.

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Julien Gouttin