Dann legen wir mal los

Von Melody Hansen, Lynn Warken, Daniel Nepgen

Nach 72 Jahren Print ist es vorbei – oder es geht gerade erst los. Das Lëtzebuerger Journal erscheint ab dem 1. Januar 2021 nur noch digital. Wir sehen das als Chance.

Das Lëtzebuerger Journal wird in Zukunft von einem Trio geleitet. Daniel Nepgen, früherer Programmchef von RTL Radio Lëtzebuerg, hat das Projekt eines 100% digitalen Journal im Sommer mit einer klaren Zielsetzung angestoßen. Als neuer Direktor ist er zusammen mit Lynn Warken zuständig für die strategische Ausrichtung.

Darunter fällt auch die Zusammenarbeit mit strategischen Partner*innen. Neben ihrer 14-jährigen Radioerfahrung, darunter drei Jahre als stellvertretende Programmchefin bei Eldoradio, hat sich Lynn im Rahmen eines Executive MBA Studiums auf digitales Medienmanagement spezialisiert und entwickelt beim Journal als Content Director audiovisuelle Formate.

Melody Hansen war neun Jahre lang im Lokaljournalismus in Luxemburg tätig und hat sich durch ihr abgeschlossenes Studium im Online-Journalismus schon früh in Richtung eines modernen Journalismus orientiert. Die neue Chefredakteurin des Lëtzebuerger Journal legt viel Wert auf die Unabhängigkeit der Redaktion und will inhaltlich den Blick auf das Menschliche hervorheben. Das Team von Journalist*innen wird sich auf die relevanten Themen unserer Zeit konzentrieren.

Lëtzebuerger Journal, ein Neustart

Melody Hansen, Lynn Warken und Daniel Nepgen blicken nach vorne und beschreiben ihre Vision für das neue Lëtzebuerger Journal. Den neun Prinzipien des Journal soll Leben eingehaucht werden, mit Herz und Hirn.

(Audio in luxemburgischer Sprache)

Ein Blick in die Zukunft

Neben zahlreichen Herausforderungen, denen der digitale Journalismus gegenübersteht (Print-Journalismus steht, wenn wir ehrlich sind, deutlich mehr Herausforderungen gegenüber), gibt es mindestens genauso viele Chancen. Eine der Leitlinien des neuen Journal ist der positive Blick auf Themen – lasst uns also positiv auf das schauen, was jetzt kommt.

Digital heißt divers. Medienprodukte müssen im Netz nicht mehr klar voneinander getrennt werden, sondern können kreativ vermischt werden. Eine Geschichte kann mehr als nur aufgeschrieben werden. Sie kann mit qualitativ hochwertigen Fotostrecken, Audioschnipseln aus einem Interview und einem kurzen Video erzählt – und somit noch viel persönlicher, emotionaler und authentischer gestaltet werden. Das Lëtzebuerger Journal hat Spaß daran, diese Formen miteinander zu kombinieren.

Mit einer Führung, die zu zwei Drittel weiblich ist, und einem Team, das zu gleichen Teilen aus Frauen und Männern besteht, will das Lëtzebuerger Journal ein Zeichen setzen. Das ist selbst 2020 alles andere als selbstverständlich – besonders in der luxemburgischen Medienwelt. Es wird höchste Zeit, dass Medien nicht mehr nur über die Gleichstellung der Geschlechter berichten, sondern diese aktiv und bewusst selbst umsetzen.

Wir machen‘s vor

Online-Journalismus wird häufig mit schnellen Nachrichten in Verbindung gebracht. Journalist*innen sollten sich am besten noch während der Pressekonferenz an den Laptop setzen und ihren Text nicht später als fünf Minuten nach Ende der letzten Rede an die Redaktion schicken. Dadurch fehlt allzu häufig die Zeit, auf Details zu achten. Das machen wir anders. Wir stellen die Fragen, die nur dann aufkommen, wenn man sich die Zeit nimmt, neugierig zu sein.

Dem Lëtzebuerger Journal ist das Menschliche besonders wichtig. Wie wirkt sich eine Entscheidung an hoher Stelle auf den Alltag des Einzelnen aus? Menschlich bedeutet auch inklusiv und divers. Wir wollen denjenigen eine Stimme geben, denen sonst nicht zugehört wird. Sie sollen ihre persönlichen Erfahrungen und Emotionen teilen, damit unsere Leser*innen, Hörer*innen und Zuschauer*innen Verständnis entwickeln können – und dadurch auch mehr Verständnis in unserer Gesellschaft entsteht.

Stichworte inklusiv und divers: Die Inhalte im neuen Journal werden so oft wie möglich auf Englisch, Französisch und Deutsch erscheinen, damit eine breite Öffentlichkeit Zugang dazu haben kann. Und wir gendern. Das mag den einen oder anderen auf den ersten Blick befremdlich vorkommen, macht aber absolut Sinn – versprochen. Sprache ist mächtig. Lesen Kinder in Texten beispielsweise immer nur von Ärzten, stellt sie sich automatisch männliche medizinische Fachkräfte vor. Es gibt Studien, die belegen, dass Mädchen sich diesen Beruf dadurch viel seltener zutrauen. Lesen sie hingegen von Ärzt*innen, fühlen auch sie sich angesprochen und können sich vorstellen, den Beruf irgendwann zu ergreifen. Durch das Gendersternchen werden auch jene miteinbezogen, die sich keinem spezifischen Geschlecht zugehörig fühlen. Es geht darum, jeden Menschen mitzudenken. Dafür fühlen wir uns verantwortlich.

Wir sind nicht perfekt. Nicht beim Gendern, nicht beim Übersetzen. Aber wir sind offen für andere Meinungen, bereit die unsere zu ändern, wenn es gute Gründe dafür gibt. Und wenn wir einen Fehler gemacht haben, scheuen wir uns nicht, das zuzugeben. Wir versprechen, immer unser Bestes zu geben. Seid mit dabei.

Let’s go digital!