Die Tabubrecherin

Von Anne SchaafLex Kleren

Marie-Paule Molitor-Peffer ermutigte Luxemburger*innen, ihren eigenen „Loschtknäppchen“ zu suchen und ihn zu betätigen. Die streitbare Gynäkologin setzte sich für sexuelle Selbstbestimmung ein und revolutionierte in den 1980er Jahren die Art, wie man im Großherzogtum über Sexualität sprach.

Im ersten Artikel dieser Reihe wurde ein Blick auf die Sexualgeschichte Luxemburgs gewagt und dargelegt, welche unterschiedlichen Quellentypen unter die Lupe genommen werden können, wenn Forschende sich auf die Suche nach der Klitoris begeben. Trotz der Vielfalt an präsentierten Untersuchungsgegenständen wurden bisher aber weder sie noch die Leser*innen fündig, denn das sagenumwobene Organ tauchte im Text noch nicht auf. Das soll sich innerhalb der nun folgenden Zeilen ändern. Dieses Mal stehen nicht mehrere, sondern eine ganz spezifische Quelle im Vordergrund. Sie führt uns zum umgangssprachlich auch als „Kitzler“ bezeichneten Sehnsuchtsort.

Um den Forschungsprozess verständlich und greifbar zu machen, bietet es sich an, hinten anzufangen. „Hinten“ ist in diesem Fall beim Material selbst, dessen Ergründung Befunde zutage fördern kann. Das zu Erforschende ist die Sendung Léift a Partnerschaft, die vor rund 40 Jahren manche Gemüter in Luxemburg besänftigte und beruhigte, während sie andere erhitzte. Sexuelle Aufklärung im Radio war damals nicht jedermanns und jederfraus Sache. Das Format wurde ab März 1979 zweiwöchentlich sonntagabends auf RTL Radio Lëtzebuerg ausgestrahlt und stets von einem*einer Mitarbeiter*in des Senders sowie zwei Expert*innen betreut. In den ersten anderthalb Jahren des Bestehens gehörten zu Letzteren einerseits die Gynäkologin und spätere Präsidentin des Planning Familial (PF) Marie-Paule Molitor-Peffer. Anderseits verweilte Nicolas Estgen, seines Zeichens Lehrer, CSV-Politiker und Präsident der Action Planning Familial et Populaire (AFP), hinter dem Mikrofon. Die titelgebenden Themen sollten die Fahrtrichtung der Gespräche zwischen dem progressiven PF und der erzkatholischen AFP angeben. Indes wählten die beiden Organisationen bei der Wissensvermittlung unterschiedliche Abzweigungen und es kam mehr als einmal auf diskursiven Kreuzungen zu Frontalkollisionen. Dazu später mehr.

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