Tabu²: Sexualität und Behinderung

Von Jeff MannesLex Kleren

Netflix-Serien wie Sex Education oder Special haben das Thema Sexualität und Behinderung in den letzten Jahren stärker in den öffentlichen Fokus gerückt. Doch nach wie vor prägt Behindertenfeindlichkeit das Sexualleben sehr. Ein Bericht zwischen Tabuisierung und Fetischisierung.

Ableismus. So nennt man in den Sozialwissenschaften, den Disability Studies und in der Bewegung von Menschen mit Behinderungen das gesellschaftlich institutionalisierte und individuell verinnerlichte Überzeugungssystem, das Behinderung als einen minderwertigen Zustand des Menschen und Menschen mit Behinderung als marginalisierte „Andere“ konstruiert. Dies zeigt sich dann praktisch in der Diskriminierung von und in Vorurteilen gegenüber Menschen mit Behinderungen. Der Begriff stammt vom englischen Wort „ableism“, nicht ganz so korrekt könnte man ihn auch als „Behindertenfeindlichkeit“ übersetzen.

Ähnlich wie Rassismus oder auch Heterosexismus durchzieht sich Ableismus durch die ganze Gesellschaft hindurch und lässt sich in vielen Bereichen des Lebens wiederfinden. Ein Beispiel wäre, wenn in Filmen und Serien böse Piraten zwecks derer Entmenschlichung stets mit Holzbeinen, Augenklappen oder Hakenhänden gezeigt werden, während gute Piraten, mit denen die Zuschauer*innen sich identifizieren sollen, fast immer ohne Behinderung leben. Oder beim sogenannten „Inspiration Porn“, bei dem es nicht um Pornographie im sexuellen Sinne geht, sondern darum, dass Menschen, die behindert werden, als „inspirierend“ beschrieben und „bewundert“ werden, bloß weil sie ganz alltägliche Dinge erledigen. Ableismus zeigt sich dort, wo Menschen mit Behinderungen nur mit Mitleid begegnet wird, oder in der Architektur, wenn Straßen und Gebäude nicht barrierearm gestaltet werden. Ableismus zeigt sich auch in der Medizin, wenn Menschen mit Behinderungen davon abgehalten werden, eigenständige Entscheidungen über ihren Körper zu treffen. Oder wenn Menschen mit Behinderung wie Kinder behandelt und angesprochen werden. Er zeigt sich auch bei Menschen mit Behinderung selbst, wenn diese die gesellschaftlichen negativen Überzeugungen über sich verinnerlichen und sich für ihre Behinderung schämen. Und er zeigt sich in der Sexualität.

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