Opgepikt - Papua-Neuguinea

By Pascal Steinwachs Article only available in German

Betröpfelte Tupferköpfe, die Mini/Mucki im Bett von Jean Asselborn, vor allem aber: „Wir Sehen Uns Jede Donnerstag“. Der satirische Wochenrückblick von und mit Pascal Steinwachs.

Vorletzte Woche

Wenn sich sogar die Politiker rar machen, die Medien größtenteils auf Praktikant*innen/Student*innen/Ferienjobber*innenreportagen mit den für diese Jahreszeit üblichen Pfadfindercamp-, Mettwurstgrillwettbewerbs- und Kronkorkensammlerreportagen zurückgreifen und sich auch in den internationalen Medien Nachrichten à la „Verwaistes Eichhörnchenbaby von Baum geplumpst“ oder „Fliegender Hase prallt gegen Auto“ häufen, dann befindet sich das Land definitiv im Sommerloch.

Ohne Corona (ja, das gibt’s noch), Covid-19, SARS-CoV-2, Alpha, Beta, Delta, Kappa et cetera sowie, das Leben kann so vielfältig sein, einige ewig lange Tunnels, die man – der Weg muss nicht immer das Ziel, sondern kann manchmal auch ein Tunnel sein – nach Lust und Laune durchqueren kann, um auch mal auf andere, viruslose Gedanken zu kommen, wäre das Sommerloch indes noch löchriger und die Aktualität noch magerer.

Und was machen wir im Sommerloch, das in diesem Jahr ja eher ein feuchtkaltes Herbstloch ist/war? Pfadfindercamps besuchen? Mettwürste grillen? Kronkorken sammeln? Mitnichten! Wir fuhren weg, und es war die Hölle!

Umweltbewusst wie wir sind – umweltbewusst ist bei uns nämlich nicht nur ein Adjektiv, sondern knallharte, tagtäglich gelebte Realität -, bestiegen wir für unsere Urlaubsreise gen Holland nämlich weder ein Flugzeug, noch ein Automobil. Nein! Wir nahmen die Eisenbahn, was neben unseren fünfundzwanzig ersten Lebensabschnittspartnerschaften und ersten drei Ehen höchstwahrscheinlich der größte Fehler unserer bisherigen Existenz war. Warum? Weil die Hinfahrt wegen der durch die Regenapokalypse verursachten Streckensperrungen in etwa so lange dauerte wie die Atlantiküberquerung von Charles Lindbergh.

Luxemburg-Arlon-Libramont mit der Bahn, Libramont-Rochefort/Jemelle mit dem Bus, Rochefort/Jemelle-Namur mit dem Zug, Namur-Brüssel nur mit Riesenumweg, Brüssel-Antwerpen-Breda-Rotterdam… – dazu jeweils einige Stunden Aufenthalt, bis das nächste Transportdings kam… Es war die Hölle! Da ist man sogar schneller in Papua-Neuguinea. Zu Fuß!

Die Rückfahrt eine Woche später war natürlich – die Gleise lagen immer noch nicht dort, wo sie liegen sollen – noch hölliger: Rotterdam-Breda-Antwerpen-Brüssel im Zug, Brüssel-Ottignies in einem anderen Zug, Ottignies-Gembloux (Käffer gibt’s, die gibt’s tatsächlich) im Bus, Gembloux-Rochefort/Jemelle im Zug, Rochefort/Jemelle-Libramont wiederum im Bus (und zwar mit einem durchgeknallten Fahrer, der die ganze Fahrt bei lautstarker Kommerzmucke Energydrinks süffelte und ungerührt auf seinem Smartphone herumwischte), Libramont-Arlon-Luxemburg… es war die Hölle!

Fazit: Keine zehn Pferde bringen uns noch einmal in einen Zug. Nie mehr setzen wir einen Fuß in so ein Ding. Nie mehr! Wir schwören!

Holland selbst ist aber unleugbar ein tolles Land, in dem wir Großherzogler scheinbar mehr als willkommen sind, hingen doch überall rot-weiß-blaue Luxemburg-Flaggen. Wirklich sympathisch diese Holländer! Und an allen Ecken und Enden gab es lecker Matjes und Kibbeling – als überzeugte Veganer fühlten wir uns sofort pudelwohl.

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