Leider ohne Digestif

Von Pascal SteinwachsLex KlerenMisch PautschTom Herz

Es gibt Dinge, auf die in Luxemburg mit Beginn der Sommerpause Verlass ist. Dazu gehören die wochenlangen Ausfälle der wichtigsten Strecken bei der CFL, dazu gehören aber auch die Bilanzessen der Parteien, bei denen nicht nur politische Bilanzen gezogen, sondern auch Teller geleert und Häppchen begutachtet werden.

Sag mir, wo du isst, und ich sage dir, wer du sein willst, oder wenigstens, wie du von den anderen gesehen werden möchtest. Die Wahl des Restaurants gehört bei den traditionellen Essen der im Parlament vertretenen Parteien zum Abschluss der Kammersession nämlich inzwischen fast ebenso zur politischen Botschaft wie die eigentliche Bilanzpressekonferenz.

Die einen setzen auf modernes Ambiente mit Panoramablick, die anderen auf Biokost, wieder andere auf gediegene Brasserien. Die Journalist*innen sollen sich wohlfühlen, gut essen und anschließend möglichst positiv über den Nachmittag berichten. Als ob das tatsächlich so einfach wäre.

Die Rollen sind indes auch in diesem Sommer wieder klar verteilt. Die Regierungsparteien loben ihre Arbeit, die Oppositionsparteien zerlegen sie genüsslich. Das ist ungefähr so vorhersehbar wie die Tatsache, dass spätestens beim Dessert jemand erklärt, die politische Rentrée werde entscheidend.

Neu ist hingegen ein anderer Trend. Während früher höchstens ein Fotograf zwischen den Tischen unterwegs war, schwirrten dieses Jahr vor allem bei den Regierungsparteien ganze Heerscharen von Content Creators durch die Restaurants. Kaum hatte jemand zur Gabel gegriffen, schon wurde fotografiert, gefilmt oder ein kurzes Video aufgenommen. Die Bilanzessen entwickeln sich langsam von einer Begegnung zwischen Politiker*innen und Journalist*innen zu einer Content-Produktion. Früher schrieben die Medien über die Parteien, heute produzieren die Parteien ihren Bericht lieber gleich selbst.

DP: Déi mam Aspro

Den Auftakt der Bilanzessen machte in diesem Jahr die Partei mit dem unangefochten beliebtesten Politiker des Landes, Vizepremier Xavier Bettel, nämlich die DP, die zum Buffet ins Restaurant Um Plateau eingeladen hatte. Ganz liberal durfte selbstverständlich jede und jeder selbst entscheiden, was auf den Teller kam. Das Self-Service-Buffet ist wahrscheinlich die marktwirtschaftlichste aller denkbaren Verpflegungsformen.

Allerdings waren nicht alle Minister*innen anwesend. Der bereits erwähnte Xavier Bettel, der ja auch Außenminister ist, weilte in Brüssel, sodass die liberale Fraktion weitgehend unter sich blieb, aber am Spätmachmittag war er dann wieder zurück, um Katy Perry und Justin Trudeau durch die Altstadt zu führen, aber das ist eine andere Geschichte.

Zurück zum Bilanzessen: Hier sorgte Fraktionschef Gilles Baum mit seinem neuen Anzug für Gesprächsstoff unter den modeaffinen Anwesenden. Der Farbton des Anzugs bewegte sich nämlich irgendwo zwischen Violett und Rosa – Genaueres konnte uns nicht mal DP-Ikone und Hauptstadtbürgermeisterin Lydie Polfer sagen, und das will was heißen -, und entzog sich damit jeder eindeutigen politischen Einordnung. Angeblich habe man ihm im Geschäft erklärt, das Modell sei eigentlich für Abiturfeiern gedacht, aber Baum, der normalerweise ja am liebsten Nadelstreifen trägt, pochte darauf, auch so einen Anzug zu bekommen – und bekam ihn.

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