„Ich träume von einer starken kommunistischen Partei!“

Von Pascal SteinwachsLex Kleren

Mit seinem markanten Schnauzbart sieht Ali Ruckert nicht nur aus wie Peppone, der Gegenspieler des legendären Don Camillo. Genau wie dieser ist er ebenso Kommunist und überzeugter Marxist. Seit 1999 hat Ruckert den Vorsitz der „Kommunistesch Partei Lëtzebuerg“ (KPL) inne, die in diesem Jahr einen runden Geburtstag feiert.

Gegründet wurde die KPL am 2. Januar 1921 in der Rue de Longwy in Niederkorn. Aus diesem Anlass wurde jetzt, 100 Jahre später, gleich gegenüber dem Haus, in dem die KPL ins Leben gerufen wurde, ein Denkmal errichtet. Die darauf befestigte Plakette zieren ein Hammer und eine Sichel. Das Interview mit KPL-Präsident Ali Ruckert (66) führten wir am Mittwoch vergangener Woche in den Räumlichkeiten der Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek in Esch/Alzette, deren Chefredakteur Ruckert seit 1995 ist. Die Redaktion befindet sich übrigens in der nach einem der Gründer der KPL und dem ersten kommunistischen Abgeordneten benannten Rue Zénon Bernard.

Lëtzebuerger Journal: Herzlichen Glückwunsch zum 100. Geburtstag! So alt muss man erst mal werden. Geht ihnen als Partei in diesem hohen Alter nicht manchmal die Puste aus?

Ali Ruckert: Es ist natürlich schwierig, in diesen Covid-Zeiten politisch aktiv zu sein, heißt es doch nicht umsonst: wer rastet, der rostet. Das gilt auch für das Parteileben.

Wenn Sie nur drei Höhepunkte aus der langen Geschichte Ihrer Partei nennen müssten, welche wären das?

Da ist natürlich zuallererst die Gründung der Kommunistischen Partei am 2. Januar 1921. Damals spaltete diese sich von der Sozialistischen Partei ab. Letztere wollte das kapitalistische Ausbeutersystem nicht abschaffen, sondern sich mit ihm arrangieren.

Ein zweiter Höhepunkt war natürlich das sogenannte Maulkorbgesetz, als die Regierung, und hier vor allem die Klerikalen die Kommunistische Partei verbieten wollten. Nachdem im Parlament bereits ein entsprechendes Gesetz verabschiedet worden war, war sich die Regierung ihrer Sache derart sicher, dass sie sogar am 6. Juni 1937 ein Referendum organisierte. Darin sprachen sich dann aber eine knappe Mehrheit der Bürger gegen das Maulkorbgesetz aus, worauf die Kommunisten an Prestige dazugewannen.

Wichtig war aber auch, dass die KPL die einzige politische Partei war, die sich, als die Nazis am 10. Mai 1940 in Luxemburg einfielen, dazu entschlossen hat in den Untergrund zu gehen, anstatt sich, wie all die anderen Parteien, aufzulösen. Dies hatte zur Folge, dass die Kommunistische Partei von Anfang an eine Resistenzbewegung war, der aber auch einige sozialistische Gewerkschaftler beitraten, die gegen eine Auflösung ihrer Partei waren. Das stärkte wiederum die Rolle der KPL innerhalb der Resistenz und trug zum Aufstieg der Kommunistischen Partei nach dem Zweiten Weltkrieg bei - eine Zeit, als die KPL über 4.000 Mitglieder hatte und in der Regierung der Nationalen Union den Gesundheitsminister stellte.

Nur für unsere Abonnenten.

  • Jahresabo

    168,00 €
    /Jahr
  • Monatsabo

    15,50 €
    /Monat
  • Zukunftsabo bis 25 Jahre

    90,00 €
    /Jahr

„Ich träume von einer starken kommunistischen Partei!“

2,00 €
/Artikel

Du hast bereits ein Konto?

Einloggen
Jetzt den Newsletter abonnieren und nichts mehr verpassen. 
In welcher Sprache möchtest du den Newsletter erhalten? *

Wenn du den Newsletter des Lëtzebuerger Journal abonnierst, stimmst du der Verarbeitung deiner persönlichen Daten zu - deiner E-Mail-Adresse sowie deiner Sprachpräferenz - um regelmäßig eine Auswahl der zuletzt veröffentlichten Artikel zu erhalten. Mehr Informationen findest du in unserem Rechtshinweis.

Weiter

Analyse: OpenLux, un coup d’épée dans l’Alzette