Geld mit Gewissen und Wirkung anlegen – wie geht das?

Von Sherley De DeurwaerderMisch Pautsch

Wer nachhaltige ETFs kauft, bekommt ein gutes Gewissen inklusive? So einfach ist es leider nicht. Denn bei den meisten nachhaltigen Fonds kommt das Geld nicht als frisches Kapital bei den Unternehmen an, die man eigentlich unterstützen will. Julian Bernstein von der luxemburgischen Non-Profit-Organisation etika erklärt, warum das so ist – und wie Geldanlage stattdessen echte Wirkung erzielen kann.

Investieren gilt mittlerweile nicht mehr als Privileg der Wohlhabenden. Das klassische Sparbuch hat zwar noch nicht ganz ausgedient, aber jüngere Generationen werden zunehmend dazu animiert, ihr Geld arbeiten zu lassen. Die Finanzbranche hat den Wunsch nach ethischer Anlage längst als Marktsegment entdeckt: ESG-Fonds, Impact-Labels, grüne ETF-Varianten – ein augenscheinlich üppiges Angebot. Doch was diese Produkte versprechen und was sie halten ist nicht immer miteinander vereinbar. Über 350 Fonds mussten 2022 ihr Nachhaltigkeitslabel abgeben, nachdem die EU-Regulierung präzisiert hatte, was dahinterstecken muss. Derweil verändert sich, was als "nachhaltig" gilt, in einem Tempo, das selbst Fachleuten schwer nachzuverfolgen ist. Die EU hat Erdgas und Kernkraft als Übergangstechnologien eingestuft. Anfang 2026 erkannte die EU-Kommission in einer Notiz Rüstung offiziell als Form sozialer Nachhaltigkeit an.

Julian Bernstein ist Koordinator der Non-Profit Organisation etika (Initiativ fir Alternativ Finanzéirung), die seit 1996 in Luxemburg mit alternativen Spar- und Kreditmechanismen arbeiten.

Lëtzebuerger Journal: Der Begriff "ethisches Investieren" wird heute in sehr unterschiedlichen Kontexten benutzt – von einem ETF mit ein paar Ausschlusskriterien bis hin zu einem Direktkredit an Bio-Landwirt*innen. Wie würden Sie den Begriff für jemanden definieren, der oder die zum ersten Mal darüber nachdenkt, Geld nach Werten anzulegen?

Julian Bernstein: Eine allgemeine Definition kann ich nicht liefern, und das ist genau das Problem. Ganz vieles läuft unter dem Label "ethisch". Es gibt schlichtweg unterschiedliche, miteinander konkurrierende Ansätze. Der Ansatz von etika unterscheidet sich deutlich von simplen Ausschlusskriterien wie etwa "Best in Class".

Unser Ansatz ist Additionalität – dass wir einen Zusatznutzen generieren können und wirklich gucken, was einen Einfluss auf die Realwirtschaft hat. Wenn da etwas Positives gegeben ist, entspricht das unseren Kriterien.

Gibt es bei etika eine Mindestschwelle, ab der ein Investment als ethisch eingestuft wird?

Es muss entweder ein sozialer als auch ein ökologischer Zusatznutzen da sein. Das in Form von Zahlen zu bewerten, ist bei uns schwierig, weil wir kein Fonds sind, der sagt, 70 % des Portfolios müssen in einem bestimmten Bereich sein, um als ethisch zu gelten. Was für uns aber zentral ist: Es dürfen auf der anderen Seite keine schädlichen Aktivitäten vorliegen – also das Do No Significant Harm-Prinzip. Wir diskutieren das bei jedem Projekt, und wir haben auch schon Projekte abgelehnt, die auf den ersten Blick gut aussahen, aber dann mit unseren zentralen Werten nicht übereinstimmten.

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