Eigentum als Kompromiss: Warum Linda in Erbpacht kaufte

Von Christian BlockLex Kleren

Eine Wohnung zu mieten kam für Linda nach der Uni nicht infrage. Privat kaufen aber auch nicht. Also entschied sich die Berufsanfängerin für ein Modell, das in Luxemburg immer wichtiger wird, aber auch wachsender Kritik ausgesetzt ist: eine Wohnung mit Erbpachtvertrag.

Halb vier morgens in der Hauptstadt. Linda (Name von der Redaktion geändert) steht in der Dunkelheit vor dem Gebäude der staatlichen Wohnungsbaugesellschaft SNHBM. Hinter ihr wächst in den kommenden vier Stunden die Warteschlange. Viel mehr Menschen, als Wohnungen verfügbar sind.

Fotos von Menschen in Liegestühlen, eingemummt in Decken und dicken Jacken, gehen damals durch die Medien. Alles nur für etwas, das selbstverständlich sein sollte: eine angemessene Wohnung.

Nach der Uni erging es Linda wie vielen anderen Absolvent*innen auch: Sie zog erstmal zurück zu ihren Eltern. Doch das war nur eine Übergangslösung. Vom Angebot der SNHBM hatte sie bereits zuvor von Bekannten gehört. "Ich habe angefangen zu arbeiten und mich bereits informiert, weil ich ausziehen wollte, aber noch nicht genug gespart hatte, um auf dem ersten Wohnungsmarkt fündig zu werden", erzählt sie dem Journal, möchte aber anonym bleiben.

Linda hat Glück. Sie bekommt die Wohnung. Seit etwa acht Jahren lebt sie im Zentrum des Landes. Die Wohnung hat sie mit einem Erbpachtvertrag gekauft. Der "bail emphytéotique" soll Wohnen erschwinglicher machen. Käufer*innen erwerben das Gebäude, nicht aber das Land darunter. Für viele ist es die einzige Option, noch Eigentum in Luxemburg zu erwerben – allerdings nicht als vollständiger Besitz, sondern als regulierter Zugang zu Wohnraum – und das gibt Anlass zu Kritik.

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