Während die Welt in Flammen steht, pflegt Luxemburg seine politische Folklore. Sieht man sich nämlich all die Neujahrsempfänge an, so scheint die nationale Aktualität vor allem eines zu kennen: den nächsten Umtrunk.
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Die Welt brennt, und in Luxemburg wird die politische Aktualität - mit Ausnahme einiger salbungsvoller, aber komplett nichtssagender Worte unserer Regierungsspitze zum US-Angriff auf Venezuela sowie eines kurzen Intermezzos zur Vorstellung einer Steuerreform, die allerdings, wenn denn, erst 2028 in Kraft treten soll - immer noch von den Neujahrsempfängen geprägt, die seit Jahresbeginn nicht abreißen und erneut Leber und Zeitplan vieler Leute strapazieren, nachdem dies bereits bei den gefürchteten Weihnachtsfeiern der Fall gewesen ist.
Die Parteien, die Ministerien, die Verwaltungen, die Gemeinden, die Berufskammern, die Abgeordnetenkammer … – alle laden sie zum Neujahrsumtrunk ein. Ja, sogar die Presse hat ihre eigene Veranstaltung, zu der sie vom auch für die Medien verantwortlichen Premierminister Luc Frieden und seiner delegierten Medienministerin Elisabeth Margue eingeladen wird. Und die beiden Minister*innen tun bei dieser Gelegenheit genau das Gleiche, was ihre Vorgänger*innen all die Jahre, ach was: all die Jahrzehnte, auch schon getan haben, nämlich hoch und heilig einen verbesserten Informationszugang und eine Reform des Mediengesetzes zu versprechen, die sich inzwischen ja anscheinend tatsächlich auf dem Instanzenweg befinden soll.
Um einiges spritziger sind da natürlich die Neujahrsempfänge der politischen Parteien. Wo vor einigen Jahren einfach nur profane Neujahrsglückwünsche ausgesprochen wurden, werden in Zwischenzeit richtige, hin und wieder sogar interessante Ansprachen gehalten, auch wenn es den Militant*innen immer noch in erster Linie um den Umtrunk und den anschließenden Klatsch und Tratsch gehen dürfte.
Nichtsdestotrotz geben sich die Parteioberen auf diesen Neujahrsveranstaltungen oftmals fast genauso kämpferisch wie auf ihren Parteikongressen, können sie ihrer jeweiligen Parteibasis hier doch kurz und knackig und in aller Klipp- und Klarheit sagen, was politisch gerade Sache ist, derweil sie auf ihren Parteikongressen in der Regel erst mal stundenlang langatmige Kongressresolutionen über sich ergehen lassen müssen, ehe sie das Wort ergreifen dürfen.
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