Ein Foto auf irgendeiner Online-Plattform reicht. Daraus lässt sich heute in Minuten ein sexualisiertes Video erstellen – mit dem Gesicht einer beliebigen Person. Was danach passiert, ist für Betroffene oft ein Albtraum. Was man in Luxemburg rechtlich dagegen tun kann.
Collien Fernandes sitzt einem Produzenten bei einem gemeinsamen Essen gegenüber, als dieser plötzlich anfängt, herumzudrucksen. Er erzählt ihr, sie hätten längere Zeit auf LinkedIn miteinander geschrieben, etwa ein halbes Jahr lang ganz unverbindlich. Dann habe sie begonnen, mit ihm zu flirten, ihm Nacktbilder zu schicken, sogar Sexvideos. Fernandes weiß davon nichts. Sie war das nicht, hat weder Nachrichten noch Fotos oder Videos aufgenommen, geschweige denn verschickt.
Wie sich später herausstellen wird hatte Fernandes Ex-Mann Christian Ulmen, dem Produzenten in deren Namen geschrieben und sogenannte Deepfake-Pornos verschickt – also Videos, in denen mit künstlicher Intelligenz (KI) das Gesicht einer Person auf den Körper einer anderen gesetzt wird. "Ich wurde unfreiwillig zu jemandem gemacht, der in dieser Branche Männer anbaggert", sagte Fernandes dem Weisser Ring Magazin in einem Interview und spricht von "digitalem sexuellen Missbrauch".
Das Phänomen an sich ist nicht neu und macht auch vor Luxemburg nicht halt. Bee Secure musste in den letzten Jahren eine Häufung an Fällen rundum Deepfakes und manipulierte Bilder feststellen. Im Jahr 2025 registrierte die Helpline 21 Fälle von Sextortion, fünf Fälle von Grooming und drei Fälle von Non-consentual Sharing of intimate images (NCSII) (siehe Infobox). Zusätzlich kamen 33 Fälle von Sextortion über den schriftlichen Weg hinzu. Für das Jahr 2026 hat Bee Secure bereits 19 Fälle von Sextortion, einen Fall von Grooming und fünf Fälle von NCSII erfasst (Stand Mai 2025). "Jeder kann von diesem Phänomen betroffen sein", so Bee Secure. "Denn für die Produktion eines sexualisierten Deepfakes reicht ein Foto aus, das online verfügbar ist. Jedes Bild im Internet kann vom Täter für solche Zwecke missbraucht werden."
Diese Fälle seien für Betroffene extrem belastend: "Der psychologische Druck, die Angst, das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren … Die Verbreitung von intimen Bildern greift tief in die Privatsphäre und das Wohlbefinden der Betroffenen ein", so Bee Secure. Im Falle von Sextortion übe der*die Täter*in Druck auf das Opfer aus, indem Geld oder weitere Bilder gefordert werden und damit gedroht wird, diese zu veröffentlichen und an Bekannte des Opfers zu verschicken. "Typisch für solche Manipulationen ist es, dass dem Opfer bewusst das Gefühl vermittelt wird, es gebe keinen anderen Ausweg mehr. Dabei spielt der Täter gezielt mit Emotionen wie Scham und Angst, auch vor Konsequenzen oder Rufschädigung."
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