Stark statt nur breit – Warum Krafttraining Gesundheitsvorsorge ist

Von Misch Pautsch

Bei nur einer Woche Bettruhe verlieren Menschen im hohen Alter bis zu drei Kilo Muskeln. Ohne ordentliche Reserve heißt das oft, von heute auf morgen im Rollstuhl zu sitzen. Immer mehr Expert*innen betonen die Wichtigkeit von Kraftsport für die Gesundheit – in jedem Alter. Warum die Muckibuden-Vorurteile verschwinden müssen.

Sport ist gesund, das ist bekannt. Wer sich körperlich betätigt, lebt nicht nur länger, sondern fühlt sich auch lange vor den hartverdienten Bonus-Lebensjahren besser. Doch eine Art Sport wird gerne etwas kritischer beäugt: Resistenztraining – bekannter als Kraftsport. Gewichte heben war immer schon von Vorurteilen und Stereotypen besetzt. Breite Brüder bewundern ihre Gains in der Muckibude. Über die vergangenen Jahre wurde dies nur bekräftigt. Protein-Hype in den Supermärkten, fragwürdige Schönheits-Trends (Looksmaxxing) oder identitäre Untertöne stellen eine Aktivität, die ohnehin mit Vorurteilen beladen ist, in ein unbequemes Licht. Doch Sport- und Gesundheitsexperten sehen immer deutlicher, wie wichtig Muskelaufbau wirklich ist und dass viele Sorgen eigentlich unbegründet waren. Im immer älter werdenden Luxemburg könnte es, im Gegenteil, sogar wichtige Präventionsarbeit leisten.

"Immer mehr Studien zeigen, dass Krafttraining vor allem im Alter lange unterschätzt wurde", sagt Dr. Martine Hoffmann, Verantwortliche für Gero Research. Herzkreislauftraining und Bewegung generell wurden immer schon als Teil von gutem Altern erkannt. Doch wie wichtig es ist, Muskelschwund vorzubeugen, wird immer deutlicher. Bereits mit 50 beginne der Körper, Muskeln deutlich schneller abzubauen. "Bei Personen, die sich kaum bewegen, kann das schon mit 25 beginnen, also eigentlich dem Alter, in dem man mitten im Leben steht. Junge, die gar nichts machen, werden auch schon Wackelpuddinge … und altern weniger gut."

Früh zum "Wackelpudding werden" ist vor allem problematisch, weil es mit jedem Lebensjahr schwieriger wird, den Muskelaufbau nachzuholen. "Muskelreserven aufbauen ist Altersvorsorge. Man legt sich Muskelkraft und Volumen an. Davon profitiert man später, wenn man mal nicht so aktiv sein kann", so Hoffmann.

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