"Ich habe mir die Entscheidung [abzutreiben] nicht leicht gemacht"

Von Melody HansenMisch Pautsch

Schwangerschaftsabbrüche werden kontrovers diskutiert. Wie sich eine solche Entscheidung tatsächlich anfühlt und was eine Frau dabei durchmacht, darüber wird selten gesprochen. Marie (Name von der Redaktion geändert) erzählt ihre Geschichte.

Wo Marie mit ihrer Erzählung beginnen will, frage ich sie, als wir in ihrem gemütlichen Wohnzimmer auf der Couch sitzen. Ihre beiden Söhne sind in der Schule, ihr Mann auf der Arbeit. "Am liebsten ganz vorn", lautet die Antwort, direkt gefolgt von ihren Erinnerungen, die nur so aus ihr heraussprudeln. "Jetzt geht es mir besser", wird sie am Ende des Interviews sagen, "das muss manchmal raus, dann muss ich weinen und danach kann das Leben wieder weitergehen". Das Interview gibt sie, weil es ihr wichtig ist, dass Frauen, die etwas Ähnliches erlebt haben wie sie, sich weniger allein fühlen. "Denn ich habe mich in meinem ganzen Leben noch nie so einsam gefühlt wie in dieser Zeit."

Es war vor gut fünfeinhalb Jahren, am 5. September 2020. Marie ist gerade im dritten Monat schwanger mit ihrem zweiten Kind. Sie verbringt den Abend zur Feier ihres Hochzeitstages mit ihrem Mann im Restaurant. Ihr erstgeborener Sohn Sam (Name von der Redaktion geändert), der damals zwei Jahre alt ist, übernachtet bei den Schwiegereltern. "Ich erinnere mich noch an jedes Detail dieses Tages." In der darauffolgenden Nacht bekommt sie Bauchkrämpfe. "Ich redete mir ein, dass schon nichts sein würde, rief aber trotzdem beim Gynäkologen an, um mich rückzuversichern." Am Morgen darauf fährt sie gleich in die Praxis.

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