Die vergessenen 50 Prozent

Von Sarah RaparoliLex KlerenMisch Pautsch

Wenn Daten fehlen, entsteht nicht nur eine falsche Darstellung wissenschaftlicher Informationen, sondern auch eine Verzerrung des Lebens, an dem wir alle teilnehmen. Der Gender Data Gap bezeichnet eine geschlechterbezogene Lücke in der Datenerhebung, die in mehreren Bereichen negative Folgen haben kann.

Vorab ein persönlicher Einblick in die Recherche: Dieser Text ist seit über einem Jahr in Planung. Nicht, weil die Recherche oder Ausarbeitung so zeitintensiv waren, sondern weil scheinbar niemand mit mir über dieses Thema sprechen wollte, geschweige denn die Problematik auf dem Schirm hatte. Ich hatte vor über einem Jahr bereits zwei Interviews geführt. Eines mit einem Studiendirektor an der Uni Luxemburg. Obwohl ich – auf Nachfrage – einiger meine Fragen im Vorfeld zugeschickt hatte, gab er mir während unseres Gespräches zu verstehen, dass er weder vorbereitet war noch wusste, über was ich sprechen möchte. Während des Interviews hakte ich einige Male nach, weil ich nicht sicher war – oder es nicht wahrhaben wollte –, ob er meine Fragestellung wirklich verstanden hat. Ich verließ frustriert sein Büro und hinterfragte mich selbst. „Ist es kein so großes Thema, wie ich annehme? Bin ich zu sehr in meiner kleinen Blase und merke nicht, dass es doch nicht so wichtig ist, darüber zu sprechen und zu schreiben?“, waren die Fragen, die mich damals beschäftigten.

Die vielen Posts internationaler Medien – und weil das Thema in der Redaktion erneut aufkam – bestärkten mich, dass ich doch auf der richtigen Spur war. „In der Medizin sind Männer die Norm. Das bedeutet für Frauen: Fehldiagnosen, falsche Medikation und womöglich höhere Sterblichkeitsraten“, schrieb Fluter im Juni 2021. „Frauen werden beim Erfassen von Daten oft vergessen oder ignoriert. Die fehlende Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Unterschiede bei Datenerhebungen stellt eine subtile Form von Diskriminierung dar und kann für Frauen fatale Folgen haben“, schrieb der Menschenrechtsverein Human Rights aus der Schweiz ebenfalls im Juni letzten Jahres. Gemeint ist der Gender Data Gap. Den meisten wird der Gender Pay Gap, also der Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Brutto-Stundenlohn der Geschlechter, ein Begriff sein. Kurz und knapp gesagt beschreibt der Gender Data Gap die fehlende Repräsentation von Daten über ein bestimmtes Geschlecht. In diversen Bereichen entstehen so Verzerrungen, da durch lückenhafte Datenerhebungen wichtige Informationen, die nicht nur medizinisch, sondern auch wirtschaftlich oder gesellschaftlich relevant sein können, fehlen.

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