30 Jahre Casino: "Wir wollen experimentell bleiben"

Von Pascal SteinwachsLex Kleren

Seit 30 Jahren ist das Casino - Forum d’art contemporain ein Ort für zeitgenössische Kunst, Experimente und Begegnungen. Zum Jubiläum blickt Direktor Kevin Muhlen nicht nur zurück, sondern vor allem nach vorn: auf ein Haus, das überraschen und sich immer wieder neu erfinden will.

Als das Casino - Forum d’art contemporain 1996 seine Türen öffnete, setzte Luxemburg damit ein deutliches Zeichen für die zeitgenössische Kunst. Drei Jahrzehnte später ist das Haus ein etablierter Akteur der nationalen und internationalen Kunstszene. Dabei versteht sich das Casino nicht als statischer Ausstellungsort, sondern, ganz im Sinne seines Namenszusatzes, als Forum, wie uns Kevin Muhlen, der das Casino seit 2012 als Direktor leitet, in einem ausführlichen Gespräch verraten hat.

Lëtzebuerger Journal: Das Casino entstand vor 30 Jahren im Rahmen der Kulturhauptstadt Europas. Bis dahin war Luxemburg ein kulturelles Niemandsland, absolute kulturelle Provinz. Mit dem Casino wurde Luxemburg erstmals auf die kulturelle Landkarte gesetzt. So richtig anerkannt wird die Pionierrolle des Casino aber trotzdem nicht, oder?

Kevin Muhlen: Das hängt davon ab, mit wem man redet. Wenn man mit der breiten Öffentlichkeit spricht, dann sind wir vielleicht nicht so bekannt wie das Mudam, wobei aber bei uns schon 1998 die Manifesta 2, die zweite Ausgabe der europäischen Biennale für zeitgenössische Kunst, stattfand, was auf internationaler Ebene eine große Sache war. Auch haben wir viele Künstler schon sehr früh präsentiert.

Mit der Lady Rosa, der schwangeren Kopie der Gëlle Frau, die im Frühjahr 2001 für viel Aufregung sorgte, hat das Casino ja seinerzeit für einen regelrechten Skandal gesorgt. Seitdem wurde es zumindest skandaltechnisch sehr viel ruhiger um das Casino. Ist das einheimische Publikum etwa toleranter oder aber nur gleichgültiger geworden?

Wahrscheinlich ein bisschen beides. Damals konnte man die Leute noch stärker schockieren oder provozieren. Ich denke, das Publikum ist empfindsamer gegenüber Kunst und experimentellen Formen geworden. Gleichgültigkeit spielt aber natürlich auch eine Rolle, weil die Leute über Social Media sehr viele Dinge sehen und das Gefühl haben, alles schon gesehen zu haben, bevor sie es überhaupt richtig erlebt haben. Dadurch entwickeln sie vielleicht kein wirkliches Gefühl dafür. Heute ist es jedenfalls schwieriger, zu provozieren. Wenn man etwas im öffentlichen Raum macht, das die Leute empört, dann ist das natürlich noch einmal eine andere Sache, wobei ja bei der Lady Rosa der Fall war. Wenn wir etwas hier drinnen machen, dann bekommen die Leute das vielleicht gar nicht mit oder aber sie interessieren sich nicht dafür.

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