Wenn das Bankkonto das Unternehmertum bremst
Von Audrey Somnard, Lex Kleren Für Originaltext auf Französisch umschalten
Die Gründung eines Unternehmens in Luxemburg war noch nie so einfach. Die Einrichtung eines für den Geschäftsbetrieb unverzichtbaren Bankkontos kann hingegen Wochen oder sogar Monate dauern. Während die CSSF gerade daran erinnert hat, dass Risikomanagement nicht zu Risikovermeidung werden darf, beschreiben Unternehmer*innen, Rechtsanwält*innen und Fintech-Unternehmen eine zunehmend komplexe Bankenlandschaft, in der zwar Antworten existieren, diese jedoch nicht immer alle Bedürfnisse der Unternehmen abdecken.
Als Governys in Luxemburg gegründet wurde, gingen die Gründer davon aus, die wichtigsten administrativen Schritte bereits hinter sich gebracht zu haben. Das auf Governance, Risikomanagement und regulatorische Compliance spezialisierte Unternehmen verfügte bereits über ein Netzwerk potenzieller Kund*innen und ein klar definiertes Wertversprechen. Auf dem Papier deutete nichts auf besondere Schwierigkeiten hin. Doch die Eröffnung eines Geschäftskontos sollte sich schnell als größtes Hindernis für den Geschäftsstart erweisen. Mehrere Monate lang liefen die Zahlungen der Kundinnen und Kunden über das Privatkonto eines der Gesellschafter. Eine unangenehme Situation, die jedoch notwendig geworden war, um dem Unternehmen den Start zu ermöglichen. "Wir hatten bereits Einnahmen, Kunden und ein echtes Geschäft", erzählt Alexandre Delphis, CEO von Governys. "Dennoch gelang es uns nicht, ein Geschäftskonto zu eröffnen."
Für ihn lag die Schwierigkeit nicht nur in den langen Bearbeitungszeiten. Besonders frustrierend war die mangelnde Transparenz hinsichtlich der Gründe für Ablehnungen oder Verzögerungen. "Wenn eine Bank einen Antrag ablehnt, gibt sie in der Regel keine detaillierte Begründung an. Man weiß also nicht, was man korrigieren oder verbessern müsste." Die Erfahrungen von Governys sind keineswegs außergewöhnlich. Im Laufe der für diese Untersuchung geführten Interviews taucht dieselbe Feststellung immer wieder bei Unternehmer*innen, Rechtsanwält*innen und Akteur*innen der Unternehmensgründungsberatung auf. Sie alle beschreiben ein Bankumfeld, das heute wesentlich vorsichtiger ist als noch vor einigen Jahren.
Das Thema ist übrigens so heikel geworden, dass die Finanzaufsichtsbehörde (CSSF) Mitte Juni eine Mitteilung zu den Praktiken des "De-Risking" veröffentlicht hat. Die Aufsichtsbehörde erinnert darin an einen grundlegenden Grundsatz: Finanzinstitute müssen die Risiken im Zusammenhang mit Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung bewältigen, doch bedeutet dies nicht, dass sie Kund*innen mit einem komplexeren Profil systematisch meiden müssen. Die CSSF stellt sogar klar, dass das Vorliegen eines höheren Risikos allein keine Rechtfertigung für die Verweigerung der Aufnahme einer Geschäftsbeziehung darstellen kann.
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