War die Ehe für Alle der richtige Weg?

Von Jeff Mannes

„Seit der Einführung der Ehe für Alle vor ein paar Jahren ist es bereits so, dass ihr im Zivilrecht nicht mehr als Vater oder Mutter, sondern als Elternteil eins und Elternteil zwei angegeben werdet“, echauffiert sich ADR-Politiker Fernand Kartheiser in einem Anfang Februar veröffentlichten Video zur „Ech si Papp“-Diskussion. „Warum?“, fügt er hinzu. „(...) Wir wollen das nicht.“ Doch implizite Kritik an der Ehe für Alle gibt es nicht nur aus konservativen Kreisen, sondern sehr explizit auch aus Teilen der queeren Communities selbst.

Viel wurde bereits zu diesem populistischen Vorstoß der ADR geschrieben, der nicht nur mit dem Seitenhieb auf die Ehe für Alle auch ein Angriff auf queere Lebensweisen ist. Nun gibt es die Ehe-Rechte für Homo- und Bisexuelle in Luxemburg bereits seit sechs Jahren. Wer jetzt noch immer glaubt, dass diese das Fundament der Gesellschaft zerstören würde oder dass Kinder sich bei homosexuellen Eltern nicht so gut entwickeln würden, der ignoriert nicht nur den wissenschaftlichen Konsens zum Thema, sondern auch die gelebte Realität und kann auch nach weiteren sechs Jahren wohl nicht überzeugt werden. Wenig bekannt ist aber, dass es selbst aus den LSBTIQ-Communities Kritik an der Ehe für Alle gibt, wenn auch aus ganz anderen Gründen. Sie hätte Heteronormativität nicht herausgefordert, sondern bekräftigt, heißt es unter anderem.

Die Geschichte queerer Befreiungsbewegungen ist so divers wie die queeren Communities selbst. Was heute allgemein oft als „erste LSBTIQ Emanzipationsbewegung“ bezeichnet wird, umfasst größtenteils die Geschehnisse in Berlin zu Beginn des 20. Jahrhunderts. 1897 gründete der Arzt und Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld mit dem Wissenschaftlich-Humanitären Komitee die weltweit erste Organisation für die Rechte queerer Menschen. Weit über den Kampf gegen den Paragraphen 175 hinaus, der damals in Deutschland männliche Homosexualität unter Strafe stellte, setzte sich Hirschfeld auch für die Rechte von Frauen und von zahlreichen sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten ein. Mit seiner Theorie der sexuellen Zwischenstufen präsentierte er ein wissenschaftliches Modell gegen die Zweigeschlechtlichkeit und betrachtete jeden Menschen als eine individuelle Mischung weiblicher und männlicher Eigenschaften.

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