"Verspillt"? Warum später eingeschulte Kinder oft besser abschneiden
Von Christian Block, Lex Kleren
In Luxemburg müssen Kinder zur Schule, wenn sie vor dem 1. September vier Jahre alt sind. Ob ein Kind jedoch kurz davor oder später Geburtstag feiert, kann über schulischen Erfolg mitentscheiden. Forschungsergebnisse zeigen aber: Crèche und Précoce helfen, Ungleichheiten zu verringern. Trotzdem stellt sich die Frage: Geht es auch anders?
"Ich hatte eine Freundin, die ein Jahr jünger als ich zur Schule ging. Heute wird mir bewusst, dass die ersten Schuljahre für sie schwierig waren. Sie weinte viel." Mit Erinnerungen wie diesen aus ihrer Kindheit in Frankreich dürfte Dr. Audrey Bousselin nicht allein sein. Jede*r von uns hatte Altersgenoss*innen, die die Schule früher begonnen haben – und vielleicht gerade deswegen mehr Schwierigkeiten hatten.
Heute weiß die Forscherin am Luxembourg Institute of Socio-Economic Research (Liser), wie sich der Zeitpunkt der Einschulung auf die persönliche, aber eben auch die schulische Entwicklung von Kindern auswirken kann. Und damit möglicherweise auf ihren gesamten Lebenslauf.
Diese Erkenntnis ist in der wissenschaftlichen Literatur nicht neu. In Luxemburg gilt die Schulpflicht ab vier Jahren. Genauer gesagt: Kinder, die vor dem 1. September vier Jahre alt sind, besuchen eine Vorschulklasse ("éducation préscolaire", Zyklus 1.1 oder auch "Spillschoul"). Kinder, die nach dem Monat September zur Welt gekommen sind, "verspillen e Joer", wie man im Volksmund sagt. In Wahrheit zeigt sich: Später eingeschulte Kinder verlieren nichts, sondern profitieren im Gegenteil davon, erst bis zu ein Jahr später formell die Grundschule zu besuchen.
Ende April hat die Ökonomin zusammen mit Dr. Andrea Albanese ein Paper veröffentlicht. "In unserer Studie stellen wir fest, dass Kinder, die früher eingeschult werden, in der Tendenz einem höheren Risiko ausgesetzt sind, ein Schuljahr zu wiederholen." Besonders hoch sei dieses Risiko für Kinder aus benachteiligten und/oder zugewanderten Familien.
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