Unternehmerin, Politikerin, Ex-Kapitänin der Frauenfußballnationalmannschaft: Barbara Agostino hat einen ungewöhnlichen Werdegang hinter sich. Im Interview mit uns spricht sie über ihre direkte Art, Realitätsferne und warum es mehr Praktiker*innen in der Politik braucht.
Barbara Agostino nimmt kein Blatt vor den Mund und scheut keine Konflikte - weder innerhalb ihrer Partei noch darüber hinaus. Wir trafen die liberale Abgeordnete vergangene Woche an einem ruhigen Montag in ihrem Büro, in dem als Reminiszenz an ihre frühere Tätigkeit als Lehrerin auch ein altes Schulpult steht.
Lëtzebuerger Journal: 2018 gingen Sie erstmals mit in die Parlamentswahlen und landeten auf der Südliste Ihrer Partei auf Anhieb auf einem siebten Platz. Fünf Jahre später errangen Sie dann bei Ihren ersten Kommunalwahlen in Ihrer Heimatgemeinde Petingen direkt zwei Sitze, ehe Sie im selben Jahr für den in die Regierung gewechselten Max Hahn in die Abgeordnetenkammer nachrückten. Die Bezeichnung politische Senkrechtstarterin dürfte bei Ihnen angebracht sein.
Barbara Agostino: Ja, aber ich glaube, dass die Menschen einen vor allem auch wählen, wenn man viel in der Arbeitswelt unterwegs ist. Wenn die Leute sehen, dass man arbeitet und einer von ihnen ist. Das unterscheidet mich vielleicht von vielen Politikern.
Sie sind ja nicht nur Politikerin, sondern auch Unternehmerin. Zuerst gründeten Sie mit Barbara Ihre eigene Gruppe von Kindertagesstätten, inzwischen sind Sie Betreiberin eines Fouerrestaurants. Angefangen haben Sie ja aber als Lehrerin. Wie kommt man da auf die Idee, seinen sicheren Job aufzugeben und in die Selbstständigkeit zu wechseln?
Als ich 2008 als Lehrerin in der Privatschule Sainte-Sophie angefangen habe, da wurde ich ganz schnell in meinem Elan gebremst, weil ich zu viel mit meinen Schülern unternommen habe. So sind wir zum Beispiel Wasserski gefahren, haben gegrillt und gecampt, bis der Schuldirektor mir sagte, ich solle mich doch bitte aktivitätstechnisch etwas beruhigen. Da überlegte ich mir sofort, was ich in Zukunft tun könnte, wo ich mein eigener Chef bin und meine Projekte durchsetzen kann.
Und das weiterhin mit Kindern …
Genau, ich bin ja diplomierte Erzieherin und ausgebildete Lehrerin. 2010 habe ich meine erste Kindertagesstätte in Gasperich aufgemacht, was direkt ein voller Erfolg war, weil es zu dieser Zeit noch nicht so viele Kindertagesstätten in der Hauptstadt gab.
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