Proteine über alles: Anatomie eines Ernährungstrends

Von Sherley De DeurwaerderLex KlerenGilles Kayser

Eiweiß ist gut für den Körper, stärkt das Immunsystem und sorgt für Muskelwachstum nach dem Sport. Doch längst geht es nicht mehr nur um Gesundheit: Auf sozialen Medien hat sich ein regelrechter Protein-Hype entwickelt. Unter dem Schlagwort "Protein-Maxxing" wird möglichst viel davon in jede Mahlzeit gepackt – egal ob sinnvoll oder nicht. Lëtzebuerger Journal geht dem Trend auf die Spur.

"Die letzten 20 Jahre lautete der Trend 'low fat'. Heute ist eher überall 'High Protein' markiert." So stellt es Alexandre Scholer, Geschäftsführer von Happy Snacks, gegen Ende seines Gesprächs mit dem Journal fest und bestätigt damit einen zu beobachtenden Wandel in der Art, wie wir über gesunde Ernährung denken. Scholer interessierte sich bereits für eine proteinreiche Ernährung, lange bevor sie den Markt ab letztem Jahr nach und nach einzureißen begann. Heute hat er wegen der Arbeit nicht mehr die Zeit, die er als Student hatte, um mehrmals die Woche ins Fitnessstudio zu gehen: Aber in seinen "besten Zeiten" schaffte er es, innerhalb von knapp fünf Jahren von 75 auf 112 Kilogramm zuzulegen, erinnert er sich.

Der heute 37-Jährige scheut sich nicht, halb scherzend zu erzählen, dass er "eigentlich der totale Nerd" sei. In der Kindheit und Jugend verbrachte er etliche Stunden mit dem Zocken, ging nur wenig vor die Tür, war eher schlaksig gebaut. Das änderte sich, als er 2008 für sein Studium in die Vereinigten Staaten zog.

Am Anfang stand die Erdnussbutter

In den Staaten hing Scholer plötzlich viel mit Sportlern ab, ganz besonders Hockey- und American Football-Spielern – "das waren richtige Units, richtig breit" lacht er. Sie nahmen ihn mit ins Fitnessstudio. "Eine Sache ist es, zu trainieren, die andere ist es, unbedingt zu essen. Zu 50 Prozent geht es um die Ernährung, zu 30 Prozent um Fitness, und dann zu 20 Prozent um Schlaf und Erholung." So brachten es ihm seine neu gewonnenen Freunde bei.

Die Ratschläge waren insgesamt einfach: "Alex, iss alles, was du kannst." Da habe er erstmals angefangen, "wie wild" Erdnussbutter zu essen. Dabei beließ er es allerdings nicht. "Im Bezug zu Proteinen hatten wir die Goldregel: Man soll ein Gramm Protein pro Pfund an Gewicht, das man hat, zu sich nehmen."

Heute denkt er fast schon nostalgisch an diese Zeit zurück – denn die Studienjahre seien, auch dank des jüngeren Körpers, die Phase, in der man objektiv gesehen am meisten Zeit habe, schnell und effizient Muskelmasse aufzubauen, so Scholer.

"Ich habe damals, ohne Witz, morgens zehn bis zwölf Eier gegessen." Dazu Toast, Wurst, Käse, Unmengen an Dosenthunfisch und alles, was sonst noch verfügbar war. Irgendwann fing er sogar an, Eiklar akribisch vom Eigelb zu trennen: Das kalorienarme Eiklar liefert vor allem, neben Wasser, Protein, Eigelb hingegen eher Fett, Vitamine, Mineralstoffe und Cholin. Makro-Optimierung, wie sie im Buch geschrieben steht; nicht zuletzt, weil sich Eiklar besser in großen Mengen essen lässt.

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