Opgepikt - Kiss the cook

Von Pascal Steinwachs

Bis vor kurzem kam es quasi täglich, nun kommt es nur noch wöchentlich, dafür aber umso heftiger: das „Opgepikt“, jetzt im praktischen XXL-Format.

Wochenende

So langsam würden wir uns wünschen, dass das mit der Corona-Apokalypse passé wäre, fällt uns in unserem bescheidenen Home, das nun schon - mit einer klitzekleinen Unterbrechung - seit fast einem Jahr auch unser Office ist, doch allmählich die Decke auf den Schädel, und zwar derart massiv, dass wir uns an den Spruch von Karl Valentin (es könnte aber auch Karl Lagerfeld oder Karel Gott gewesen sein) erinnerten, der auch das Leitmotiv der Pandemie sein könnte: „Über kurz oder lang kann das nimmer länger so weitergehen, außer es dauert noch länger, dann kann man nur sagen, es braucht halt alles seine Zeit, und Zeit wär’s, dass es bald anders wird“.

Wladimir Wladimirowitsch Putin kann so was nicht passieren, ist seine Bude im Kreml doch bestimmt um einiges größer als unsrige, und hat er als Besitzer mehrerer Behausungen doch die Qual der Wahl, wo er sein Homeoffice aufschlägt. Besonders viel Platz hat er natürlich in seinem angeblichen Milliarden-Palast am Schwarzen Meer, der dem Putin-Bekämpfer Alexej Anatoljewitsch Nawalny zufolge mitsamt seinem Gelände 39 Mal größer als Monaco sein und sogar über goldene Klobürsten, eine unterirdische Eishockeyhalle, ein Casino und einen Strip-Club verfügen soll.

Toll! Eine Eishockeyhalle würden wir zwar nicht unbedingt brauchen, aber das mit dem Strip-Club klingt durchaus verlockend, wobei das Ganze aber natürlich arg von den Stripper*innen abhängt. Donald Trump (ältere Abonnenten*innen werden sich womöglich erinnern) dürfte jedenfalls in seinem popeligen floridianischen Mar-a-Lago-Rentner-Domizil vor Neid ergrünt sein, so dass sich hier gleichzeitig die Frage stellt, welche Farbe eigentlich entsteht, wenn man Grün und Orange mischt, aber da Grün ja bereits ein Mischton aus Blau und Gelb, und Orange ein Mischton aus Gelb und Rot ist, dürfte das Resultat nicht allzu ansehnlich sein.

„déi Lénk“-Ikone Marc Baum steht selbstverständlich hauptsächlich auf Rot, so dass es dann auch kaum überrascht, dass er am Sonntag auf seiner Facebook-Seite ein Selfie postete, auf dem er bei sich zu Hause mit knallrot gefärbten und lasziv gespitzten Lippen zu sehen ist. Die eigentliche Sensation ist indes der im Hintergrund zu sehende Hometrainer, was wir Baum gar nicht zugetraut hätten.

LSAP-Ministerin Taina Bofferding, die einige Tage zuvor ebenfalls einen roten Lippenstift auf ihrer Instagram-Seite veröffentlicht hatte (wir berichteten), war ebenso erstaunt, wie ihre Reaktion auf der Baum’schen Seite deutlich macht: „Déi rout Lëppsen iwwerrasche mech elo net esou, mä wat mécht deen Hometrainer beim Marc an der Wunnneng“. Die Lösung liefert dann aber Baum selbst: „Den Hometrainer ass daat materialiséiert schlecht gewëssen, daat elo sënnlos plaatz ewech hëllt an iwwerall hënnert…“. In der „Chamber“ tauchte der „déi Lénk“-Mensch diese Woche dann aber – uff! - ohne gefärbte Lippen auf…

Dem Homeoffice am Wochenende entronnen war seinerseits der kommissarische Generalsekretär der CSV, der „Pimp my church“-Initiator Paul Galles, der mit seinem Bike durchs Ösling gondelte, wie er auf Facebook dokumentierte. Samstag: „Making some new friends. Tour: Donkels – Sollermillen – Iischpelt – Walter – Béiwen – Soller – Donkels“; Sonntag: „Endlech rem Schnéi, a séier op de Stau! Donkels – Iischpelt – Walter – Harel – Harler Potto – Fléiber – Baschelt – Stauséi (Rommwiss) – Béiwen – Soller – Donkels“. Für uns, für die der hohe Norden in Walferdingen beginnt, könnten diese Dörfer (Städte?) mit Ausnahme des Stauséi, wo wir als Kind einmal einen halben Vor- und einen ganzen Nachmittag zwischen Koteletten brutzelnden, sonnenverbrannten Bleichgesichtern verbringen mussten, auch in China oder in Klingonien liegen.

Seine Zeit weitaus klüger investiert hat, wie am Wochenende bekannt wurde, indes der thüringenische Ministerpräsident Bodo Ramelow, nämlich mit „Candy Crush“-Daddeln auf seinem Handy, wie der „Die Linke“-Politiker zuvor selbst in einer Runde auf der Social-Media-Plattform „Clubhouse“ (wir sind übrigens derart exklusiv und vip-ig, dass wir sogar ohne Einladung und ohne überhaupt ein iPhone zu haben mit von der Partie sind, denn „in is, wer drin is“) freimütig verraten hatte, wahrscheinlich in der Annahme, dass seine in der Audio-App gemachten Äußerungen „Clubhouse“ nicht verlassen würden. Seiner geliebten Daddelei nachgegangen ist Ramelow, dessen Bundesland ja eins der am schlimmstem von Corona betroffenen Länder ist, nämlich auch während den Corona-Gipfeln mit Deutschkanzlerin Dr. Merkel (die zu allem Übel in dem „Clubhouse“-Gespräch von Ramelow „Das Merkelchen“ genannt wurde), aber bei mehr als 50.000 Corona-Toten kann man sich schon mal ein bisschen mit „Candy Crush’en“ entspannen.

Montag

Entspannung ist derweil ebenfalls im neuen Digital-„Journal“ vonnöten, sind die Arbeitstage – das Internet schläft nie! - hier doch derart durchgetaktet, dass unser Medium nach nicht einmal einem Monat Maloche nicht umhin kam, sich einen „Feelgood manager“ zuzulegen. Das Ding ist goldig wie eine Katze, trägt einen (fast) blütenweißen Pelz, macht hin und wieder Wau und pinkelt am liebsten in die Petruss. „Buddy“ - so heißt der Kerl - sollte jedoch nicht mit dem gleichnamigen Labrador der (Bill & Hillary) Clintons verwechselt werden, denn der ist nun schon seit einer halben Ewigkeit im Hundehimmel, und noch weniger mit den britischen Pubrockern Dr. Feelgood („Jumping from love to love“, „Crazy about girls“…).

Pünktlich zum Start des Autofestivals kauften wir uns am Montag direkt eine neue Karosse - nicht weil wir sie brauchen würden, sondern aus Sicherheitsgründen, wollen wir uns doch nicht in vollbesetzten Bussen/Trams/Zügen mit Corona anstecken. Zudem macht so ein 700 PS starker, von der Regierung subventionierter Tesla natürlich tierisch Spaß, und ist auch noch gut für die Umwelt.

Nicht ganz so reibungslos wie bei unserem Autokauf ging es Anfang der Woche leider Gottes im Abgeordneten*innenhaus zu, wurde der neue Internetauftritt für die Petitionen doch von einem Hackerangriff heimgesucht, der sich dann aber gottlob nur als „leichte Attacke“ erwies, wie der internetaffine Kammerchef Fernand Etgen (DP) und die noch affinere Petitionskommissionsvorsitzende Nancy Arendt (CSV) auf einer entsprechenden Pressekonferenz unterstrochen. Gott sei Dank! Nur zwei Tage später konnte der Bittschriftsausschuss dann auch schon wieder allerlei lustige Neupetitionen annehmen, so wie zum Beispiel die Petita „Corona: all Geimpften soll seng Grondrechter direkt zréckkréien“ und „STOP à cette dictature sanitaire!“.

Dienstag

Da wir Kurven lieben, kurvten wir am Dienstag den ganzen Tag mit unserer neuen E-Limousine rum (bis nach Donkels – Sollermillen – Iischpelt – Walter – Béiwen – Soller – Donkels schafften wir es dann aber leider nicht), ehe wir am Abend dann nach all dem Rumgefahre auf Facebook erfahren mussten, dass die auch unter dem Namen „Monica“ bekannte DP-Europaabgeordnete Monica aus der DP ausgetreten ist und fortan voraussichtlich nur noch Europaabgeordnete ohne DP sein wird. Boufdeg!

Klaro, dass RTL tags darauf solch illustre Gestalten wie Ganz-ganz-lang-ist’s-her-DP-Fraktionschef Jean-Paul Rippinger (schon lange, lange nicht mehr DP) ausgraben musste, um die Chose zu beleuchten: „D’Affaire Semedo ass eng onwarscheinlech Blamage fir Lëtzebuerg; d’Europadeputéiert muss demissionéieren, an et geet hei ëm de Rechtsstaat!“. Was macht eigentlich Jacques-Yves Henckes?

Saures bekam am Dienstag in einem „Tal der Tränen“ überschrobenen Leitartikel der Ex-Erzbistumszeitung aber nicht die DP, sondern schon wieder die CSV, die – Achtung Poesie - „ein Wind dauerhafter Disharmonie“ umwehe, denn „wer immerzu den Eindruck hinterlässt, mehr mit sich selbst und seinen Befindlichkeiten beschäftigt zu sein als mit den Herausforderungen des Landes, der nimmt in Kauf, von den Wählern nicht mehr ernst genommen zu werden“.

Da kann sich der kommissarische CSV-Generalsekretär Galles, der dem „Wort“ zufolge nach dem Rückzug von Félix Eischen (der seinerseits zurück in der Chamber ist) „wie die Jungfrau zum Kinde“ zu seinem Generalsekretärsamt gekommen sein soll, in selbiger Zeitungsausgabe noch so sehr für „innerparteilichen Zusammenhalt“ werben, so wird das nichts!

Mittwoch

Eine weitere Hiobsbotschaft kam einige Stunden später aus dem Erzbischofspalast, ist Kardinal Jean-Claude Hollerich doch an Covid-19 erkrankt, aber wie Weihbischof Leo Wagener diesbezüglich unterstroch, liege keine akute Gefährdung vor, so dass die Gläubigen sich keine Sorgen um ihren Oberhirten machen müssten.

Putzfidel wie eh und je ist hingegen Corona-Gesetz-1-2-3-4-5-6-7-und-so-weiter-Berichterstatter Mars di Bartolomeo (LSAP), der dem „Télécran“ eine Kostprobe seiner Kochkunst gegeben und diesem ein „maritimes Drei-Gänge-Menü“ zusammengebrutzelt hat. Dabei verrät er, dass er sich „beim Schwimmen, aber auch beim Kochen total“ entspannen könne. Das Würzen erledigt der mobile Mars dann auch „ganz nach Gefühl“: „Ich bin da kreativ und halte mich selten an Rezepte“. Glauben wir gern.

Stolz ist di Bartolomeo, der alles „von Hand“ macht („ich war ein Einzelkind und durfte immer helfen, den Nudelteig auszurollen, mit dem Langholz selbstverständlich“), indes auf seine „knallrote Schürze mit dem kecken Spruch „Kiss the cook““. Da kann man mal sehen, was ein einzelner Buchstabe so ausmachen kann…

Donnerstag

Gute Nachrichten gab es dann am Donnerstag aus Saarbrücken und Mainz, wollen das Saarland und Rheinland-Pfalz doch am „kleinen Grenzverkehr“ festhalten, was immer das auch bedeuten mag.

Nicht unerwähnt bleiben sollte an dieser Stelle aber auch die Hammernachricht, dass die chinesischen Behörden Corona-Tests nun auch per Anal-Abstrich vornehmen, sei das Virus doch „im Anus länger nachweisbar als in den Atemwegen“, wie „lessentiel.lu“ einen Pekinger Arzt zitierte. Allerdings sei die „Anal-Methode nicht sehr angenehm“.

Und wo wir schon einmal auf der „lessentiel“-Webseite waren, erfuhren wir auch, dass eine Bernie-Sanders-Häkelpuppe bei einer Versteigerung über 20.000 Dollar einbrachte, Pamela Anderson zum sechsten Mal geheiratet hat und das Lachen der Queen (nicht zu verwechseln mit Großherzogs) „durchs ganze Schloss schallen“ soll. Auch soll die Königin hinter den Kulissen scheinbar auch gerne mal herumalbern. So soll sie sich während eines Fototermins anlässlich ihrer 60-jährigen Regentschaft „scherzhaft in Pose geschmissen haben“ und „mit ihren Händen in den Hosentaschen sowie in ihrer Hüfte posiert“ haben, „um Models zu imitieren“. Haha!

Freitag

Da konnte man/frau doch gestern im „Paperjam“-Dings tatsächlich ein Gespräch mit dem „chef de la fraction ADR à la Chambre", Fernand Kartheiser, lesen, in dem er voller Stolz daran erinnert, dass seine Truppe im Gegensatz zur CSV von Anfang an gegen die Covid-19-Gesetze gestimmt habe, wobei der „chef de la fraction ADR à la Chambre" aber nur Gruppenanführer ist, hat die adr doch gar keine Fraktion, denn dafür braucht man mindestens fünf Abgeordnete*innen, die Kartheiser-Truppe hat deren aber nur vier und ist somit eine „sensibilité politique“. Wenn die adr Zeit hat, könnte sie das auch mal auf ihrer Webseite korrigieren, denn dort steht immer noch in Großbuchstaben „FRAKTIOUN“, aber das ist bestimmt nur ein Versehen…

Im „Luxemburger Wort“ hoffen sie hingegen auf einen „feuchten Frühling“ („Hoffen auf einen feuchten Frühling“), aber das ist ihr gutes Recht. Wir, in der „Journal“-Redaktion, freuen uns unsererseits jetzt schon auf den Welttag der Feuchtgebiete, denn der wird am kommenden Dienstag begangen – feuchtfröhlich, maskiert und unter Einhaltung sämtlicher sanitärer Hygienemaßnahmen…

Bis nächste Woche…

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