Nähe auf Distanz

Von Jeff Mannes

Sexualität in Zeiten der Pandemie. Wie das Virus menschliche Nähe zum Privileg macht.

Rund ein Jahr ist es nun her, dass das neue Coronavirus SARS-CoV-2 anfing, die Welt lahmzulegen. Von der körperlichen Gesundheit über das gesellschaftliche Zusammenleben, von der Wirtschaft bis hin zur Psyche: Kaum ein Aspekt unseres Lebens wurde nicht vom Virus berührt. Über ein Thema wurde aber wenig geredet: die Auswirkungen des Virus auf unsere Sexualität. Ein Rückblick auf das vergangene Jahr und wie wir nun in die Zukunft blicken können.

„Eine soziale Gesellschaft ohne Körperkommunikation kann es gar nicht geben, weil in der kleinsten Zelle der Gesellschaft, in der Familie, immer Körperkommunikation stattfindet.“ So wurde im Mai vergangenen Jahres der Psychologe und Haptikforscher Martin Grunwald auf Zeit Online zitiert. Ohne Berührung könnten Menschen nicht leben, meinte dieser. Zeit Online problematisierte damit den fehlenden Körperkontakt zwischen Menschen, ein Problem, das durch das Pandemiebedingte Social Distancing ausgelöst und durch den Lockdown im April 2020 verschärft wurde. Nun befindet sich auch Luxemburg wieder im zweiten Lockdown, der beim Verfassen dieses Artikels bis zum 10. Januar 2021 greifen soll.

Es habe einen Grund, warum es kein einziges Säugetier ohne Tastsinn gebe, meinte der Wissenschaftler. Auf alle anderen Sinne könne man notfalls verzichten, aber nicht auf das Empfinden von Berührung. Denn ohne sie würden Menschen krank: Rücken- und Gelenkschmerzen, Panik-, Angst-, Schlaf-, und Konzentrationsstörungen, aber auch psychosomatische Erkrankungen könnten die Folge eines Mangels an menschlicher Berührung sein. Zeit Online zitierte ihn treffend: „Es brauchte offenbar eine Pandemie, die uns das „Achtung!“ begreifen lässt.“

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