„De Männi mam Hummer“

Von Melody HansenLex Kleren

Eine der bisher bekannten Folgen des Coronavirus ist die Erschöpfung, die noch Monate nach der Infektion andauern kann. Wie sie sich anfühlt.

Immer mehr Menschen klagen über eine Erschöpfung, die noch Monate nach einer Infektion mit dem Coronavirus anhält. Eine Ärztin beobachtet die Beschwerden vor allem bei ihren jüngeren Patient*innen, deren Krankheitsverlauf mild ausfiel. Ein junges Paar aus Esch erzählt, wie die Müdigkeit seit September ihren Alltag bestimmt und warum sie trotzdem zuversichtlich sind, dass es bald wieder bergauf geht.

Seit Carole Betz und ihr Mann Tom Weber sich im September mit Corona infiziert haben, sind sie unglaublich erschöpft. „Es ist keine Müdigkeit, die nach acht Stunden Schlaf weg ist. Wenn ich aufwache, bin ich genauso kaputt als vor dem Zubettgehen“, sagt Tom Weber. Der 36-Jährige kennt dieses Gefühl schon länger. Seitdem er 2017 nach einem Sturz auf den Kopf ein schweres Schädelhirntrauma erlitt und fünf Tage im künstlichen Koma lag, lebt er mit dem sogenannten chronischen Fatigue-Syndrom. Die Symptome hatten sich im letzten Jahr langsam gebessert – bis er sich mit dem Virus infizierte. „Es wurde wieder schlagartig schlimmer. Die Beschwerden sind exakt die gleichen.“

Dr. Serge Meyer, Internist, Onkologe und seit März Leiter der Krisenzelle im Centre Hospitalier Emile Mayrisch (CHEM), beobachtet die Fatigue-Symptome bei etwa einem Drittel seiner Corona-Patient*innen. „An sich ist Erschöpfung nach einer Infektion nichts Neues. Sie tritt häufig nach einer Virusinfektion auf. Die meisten kennen das von Mononukleose, der sogenannten Kusskrankheit. Wir beobachten es aber auch bei HIV- oder Hepatitis C-Patient*innen“, sagt Meyer, der neben der Behandlung von Menschen mit Krebs auch jahrelange Erfahrung in der Behandlung von HIV-Betroffenen hat.

Ursachen unbekannt

Biologisch sei diese Fatigue bisher kaum zu erklären. Es sei auch unklar, welche Art von Personen im Anschluss einer Infektion damit zu kämpfen haben. „Einige haben gar nichts. Andere liegen wochen- oder monatelang flach. Es ist schwer messbar.“ Auch Forscher*innen in Luxemburg konnten noch nicht herausfinden, wie es zu dieser Müdigkeit kommt. „Wir wissen erst sehr wenig über die Langzeitfolgen, die mit Covid-19 zusammenhängen. Fatigue ist sicher ein Teil davon, wir können diese aber noch nicht erklären“, schreibt Dr. Guy Fagherazzi, Leiter der „Predi-Covid“-Studiengruppe am Luxembourg Institute of Health (LIH), gegenüber dem Lëtzebuerger Journal. Mit der „Predi-Covid“-Studie will das LIH unter anderem herausfinden, welche Langzeitfolgen bei Menschen mit milden oder gar keinen Symptomen auftreten können. „Wir sind noch zu keinen Ergebnissen gekommen. Die Studie befindet sich noch in den Anfängen“, so Fagherazzi, der auf ein Gespräch zu einem späteren Zeitpunkt verweist.

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