Als Nachfolgerin von Michel Wolter steht Nadine Braconnier von Anfang an unter besonderer Beobachtung. Uns gegenüber erklärt die neue Bürgermeisterin von Käerjeng, wie sie mit Hasskommentaren umgeht, warum sie erst Frühling und dann Blümchen genannt wurde und was es mit Stuppi & Stuppi auf sich hat.
Als wir Nadine Braconnier an einem sehr sonnigen Nachmittag im Kulturzentrum von Küntzig treffen, ist sie, und das fällt sogar uns auf, ein klein bisschen aufgeregt. Nicht wegen uns, sondern weil sie gleich ihre erste Hochzeit als Bürgermeisterin vor sich hat. Das Gespräch mit der CSV-Politikerin verläuft trotzdem mehr als entspannt.
Lëtzebuerger Journal: Uns ist zu Ohren gekommen, dass Sie ursprünglich mal Journalistin werden wollten. Was würden Sie die neue Bürgermeisterin von Käerjeng denn fragen, wenn Sie Journalistin wären?
Nadine Braconnier: (lacht und denkt länger nach) Wahrscheinlich so was wie, dass Bürgermeisterin zu sein doch eine riesige Verantwortung ist, und warum ich denn glaube, diesem Amt gewachsen zu sein.
Und, warum?
Ich habe in meinem Leben immer gerne Verantwortung übernommen. In der Schule war ich Klassensprecherin. Ich wollte immer schon mitentscheiden, und das hat sich so durch mein Leben gezogen. Als ich auf der Gemeinde mit Arbeiten angefangen habe, da wollte ich auch direkt Gemeindesekretärin werden. Ich wollte immer Chef sein, etwas gestalten.
Dann sind Sie das Gegenteil von uns, die wir in der Schule lieber ungestört in der letzten Reihe saßen, aber kommen wir zum eigentlichen Interview: Das muss Sie doch maßlos nerven, dass Sie immer noch in erster Linie als Frau von Michel Wolter angesehen werden, ohne den Sie, wie immer wieder angeführt wird, niemals Bürgermeisterin geworden wären. Dass Sie bei den Kommunalwahlen 2023 nur Viertgewählte wurden und noch nie in einem Gemeinderat waren – die beiden Ehepartner dürfen laut Gesetz ja nicht gemeinsam im gleichen Gemeinderat sein – dürfte Ihnen dabei nicht unbedingt geholfen haben.
Das wird natürlich immer als Erstes erwähnt …
… was ja irgendwie auch normal ist …
Das mag sein, aber ich glaube, dass das hier in Käerjeng nicht so gesehen wird. Auch hätte ich mir dieses Wahlresultat nicht erwartet. Ich wurde ja bei meiner ersten Teilnahme an Wahlen direkt Viertgewählte.
Die Frage war ja, wie genervt Sie sind, dass Ihnen unterstellt wird, es ohne Ihren Mann nicht an die Spitze Ihrer Gemeinde geschafft zu haben?
Ich kann die Reaktion der Leute nachvollziehen, aber irgendwann ist auch mal gut.
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