Als Eric Thill Ende 2023 Minister wurde, galt der ehemalige Schierener Bürgermeister für viele zunächst als Überraschung. Mit uns spricht er mit sichtlicher Begeisterung über die Vielfalt der Kultur und darüber, warum man morgens erst einmal in den Spiegel schauen sollte, bevor man aus dem Haus geht.
Sitzt man Eric Thill gegenüber, fühlt man sich irgendwie immer nachlässig angezogen, derart akkurat ist dieser wieder mal gekleidet. Es ist für uns bereits das zweite Gespräch mit dem DP-Minister, den wir erstmals fünf Monate nach seinem Eintritt in die Regierung trafen. Das Interview findet diesmal nicht im Kulturministerium am Boulevard Roosevelt, sondern im Wirtschaftsministerium im Forum Royal statt, wo Thill als delegierter Tourismusminister ebenfalls ein Büro hat – ein halbes Dutzend Stockwerke unter demjenigen des Wirtschaftsministers. Da ist noch Luft nach oben …
Lëtzebuerger Journal: Als Sie im November 2023 Kulturminister wurden, waren Sie für viele in der Kulturszene zunächst eine Überraschung. Sie kamen aus der Kommunalpolitik, hatten Management und European Governance studiert und waren nicht gerade als ausgewiesener Kulturmensch bekannt.
Eric Thill: Es waren damals sicherlich einige Leute überrascht, dass ein junger, ehemaliger Bürgermeister Minister wird. Ich habe das allerdings nie als negativ, sondern eher als positiv angesehen. Wenn man neu in eine Szene, in diesem Fall den Kultursektor kommt, dann hört und schaut man sich erst mal vieles an. Dadurch hat man späterhin vielleicht eine etwas objektivere Herangehensweise an die verschiedenen Dossiers als jemand, der bereits seit Jahrzehnten in einer Branche oder in einem Sektor aktiv ist.
Das kann man durchaus so sehen …
Man braucht sechs Monate, um wirklich anzukommen. Um all die Kulturinstitute kennenzulernen. Um sich wirklich in die Themen einzuarbeiten. Inzwischen bin ich zu 110 Prozent Kulturminister. Es macht mir immens Spaß und es ist eine große Ehre, Kulturminister zu sein. Vor allem aber, und das ist die größte Freude und das Spannendste an der Sache, ist es ein Sektor, der unglaublich vielfältig ist. Wir haben abstrakte Kunst, Fotografie, das Kulturerbe, Archäologie, Tanz, Musik, die luxemburgische Sprache und vieles mehr. Es ist diese Vielfalt, bei der man jeden Tag Neues sieht und Neues erlebt. Man lernt jeden Tag dazu.
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