Glutenfreie Küche: Kleine Anbieter füllen in Luxemburg überraschend große Lücke
Von Laura Tomassini, Lex Kleren
Glutenfrei essen, ohne ständig nachfragen oder zweifeln zu müssen – für Menschen mit Zöliakie ein wahrer Luxus. Nur wenige Lokale bieten entsprechende Alternativen, denn vielerorts fehlt das Verständnis für die Erkrankung. Während kleine Anbieter um verlässliche Lösungen ringen, entsteht zugleich ein Markt, der trotz hoher Kaufkraft noch weitgehend unerschlossen ist. Warum Luxemburgs Angebot hinter der Nachfrage zurückbleibt – und wo neue Chancen sich ergeben.
Einmal Pancakes ohne Gluten, bitte – diesen Satz brauchen Kund*innen in Bonneweg nicht zu sagen. Bei Glufree Pancake ist alles glutenfrei, Kreuzkontaminationen gibt es keine. Seit Juni 2024 betreibt Sandra Tinelli das kleine Lokal nahe des Luxemburger Bahnhofs. Die Idee kam der 43-Jährigen, die lange im Horeca-Bereich gearbeitet hat, durch ihre Tochter, die mit zwölf die Diagnose Zöliakie erhielt. "Damals hat sich alles geändert", so Tinelli. Restaurant-Besuche, Familienessen, ja sogar die Mittagspause in der Schule wurde zur Challenge, denn während zuhause einfach alles durch glutenfreie Alternativen ersetzt wurde, ist man sich außerhalb der eigenen Küche nie sicher. "Es besteht immer die Angst, dass doch etwas kontaminiert ist und man davon krank wird, deshalb ständig die Frage: wo gehen wir essen?", so Tinelli.
Schon immer wollte die Luxemburgerin mit italienischen Wurzeln selbstständig werden, die Eröffnung eines eigenen Lokals erlaubte es ihr, einen Ort zu schaffen, an dem jede*r willkommen ist. "Mein Ziel war es, ein Rezept zu entwickeln, das allen schmeckt und eine Küche zu haben, bei der sich keiner Sorgen machen muss, deshalb auch die relativ kleine Karte." Da Pancakes das Lieblingsessen ihrer Tochter sind, akzeptierte Tinelli die Challenge und machte sich auf die Suche nach dem perfekten Mix. "Ich habe wochenlang herumexperimentiert, denn ich wollte etwas, das ganz nah am Original ist. Im Supermarkt findet man zwar mittlerweile für vieles glutenfreie Alternativen, diese schmecken aber meist nicht gut oder sind voller Konservierungsstoffe", erklärt die Restaurantbesitzerin.
Der stetige extra Aufwand
Die größte Herausforderung: einen Mehlproduzenten finden, der 100-prozentig glutenfrei zertifizierte Ware anbietet. "In Luxemburg gibt es keine solche Zertifizierung. Die 'Santé' macht zwar Kontrollen dazu, ob es in der Küche keine Spuren von Gluten gibt und stellt ein Schreiben aus, aber ein offizielles Zertifikat ist dies nicht. Es ist nicht umsonst, dass Bäckereien wie Chambelland eigene Fabriken in Frankreich und Italien besitzen. Glufree ist dafür zu klein, also musste ich einen Produzenten aus dem Ausland nehmen", bedauert Tinelli. Ihre Brötchen und Teilchen erhält sie von einer Bäckerei aus Belgien, alles, was kein Mehl enthält, stammt dafür aber aus Luxemburg. "Wir sind kein gastronomisches Restaurant, aber ich will Qualität bieten, einfache Gerichte, die frisch und hausgemacht sind."
Ein Blick auf die Webseite der ALIG, also der Association Luxembourgeoise des Intolérants au Gluten, zeigt: Restaurants, die glutenfreie Alternativen anbieten, gibt es im Großherzogtum zwar einige, ob diese jedoch auch Kreuzkontaminationen ausschließen, ist nicht zu erkennen. Auch Paul Jeitz der gleichnamigen Bäckerei aus Consdorf weiß, wie schwierig es ist, glutenfreie Optionen anzubieten, wenn der Betrieb an sich eigentlich "normal" funktioniert. "Wir haben mit dem glutenfreien Brot aufgehört, da es kaum gefragt wird und es für mich immer extra Aufwand bedeutet. Außerdem dürfen wir glutenfreies Brot nicht in der normalen Brotschneidemaschine schneiden, eine separate Maschine zu kaufen, die dann nur alle zwei Wochen zum Einsatz kommt, lohnt sich jedoch nicht", so der Bäcker.
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