Wer würde auf die Idee kommen, einfach mal einem Fremden die eigene Kreditkarte zu überreichen? Scheinbar erstaunlich viele Leute. Denn die Zahl an sogenannten "Money Mules" – Menschen, die bewusst oder nicht bei Geldwäsche helfen – steigt immer weiter. Komplizierte technische Methoden sind dabei mittlerweile veraltet: Geldwäsche wird wieder analog.
Es klingelt. Vor der Tür steht der Freund eines Freundes. Du hast ihn vor einigen Tagen in einer Story auf Snapchat gesehen, in der er ein Bündel Fünfziger in die Kamera hielt. "Einfaches Geld", stand daneben. Du überreichst ihm deine Kreditkarte und einen Zettel mit deiner PIN. Viel Geld ist nicht auf dem Konto, was hast du zu verlieren? Übermorgen sollst du sie zurückkriegen – samt einem ordentlichen Batzen Kohle. Tatsächlich hältst du die Karte zwei Tage später wieder in den Händen, 200 Euro reicher – und auf dich warten auch bis zu fünf Jahre Haft wegen Geldwäsche.
Was nach einer Geschichte klingt, bei der sich den meisten von uns jedes Haar am Körper sträubt, ist für die Geldwäscheabteilung der Polizei eine immer häufigere Realität. Vorbei sind die Zeiten, in denen Geldwäsche voraussetzte, komplexe fiktive Konstrukte aufzubauen. Warum auch, immerhin ist es viel simpler, einfach jemanden durch die Blume zu fragen, ob er für ein kleines Entgelt "Money Mule" spielen will. "Rekrutierung über soziale Medien ist im Moment die Hauptmethode", sagt Jan (Nachname aus ermittlungstechnischen Gründen anonymisiert), Ermittler bei der Polizei und Head der Phishing-Ermittlungen.
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