Feindbild Haut: Ein Leben mit Juckreiz

Von Laura TomassiniLex Kleren

Immer mehr Menschen werden mit Neurodermitis diagnostiziert. Auch die Verfasserin des Artikels leidet seit ihrer Kindheit an der chronischen Hauterkrankung. Im Gespräch mit anderen Betroffenen offenbart sich die Komplexität dieser Störung, welche Haut und Alltag vieler auf den Kopf stellt.

Aus medizinischer Sicht müsste folgende Geschichte von Interleukinen, T-Helferzellen und vererbter Ekzembereitschaft handeln, denn Neurodermitis ist als Krankheitsbild so komplex, dass nur wenige sich wirklich damit auskennen. Die chronisch-entzündliche Hautkrankheit, im Fachjargon ebenfalls atopisches Ekzem oder atopische Dermatitis genannt, ist eine der häufigsten Hauterkrankungen sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen und begleitet Betroffene oft ein Leben lang. Laut der Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF) erkranken in Nordeuropa bis zu 25 Prozent der Bevölkerung irgendwann in ihrem Leben an Neurodermitis, fast ein Viertel der Menschen ist demnach betroffen.

Rein faktische Statistiken werden der Realität der Betroffenen jedoch nicht gerecht. Ihre Geschichte wird nicht in technisch-medizinischem Vokabular geschrieben, sondern erzählt von der Hass-Liebe zu ihrer Haut, dem mit durchschnittlich 1,8 Quadratmetern Fläche größten Organ des menschlichen Körpers. Als Barriere nach außen, Speicherort für Fett und Flüssigkeit, sowie Identitätsmerkmal spielt die Derma im Alltag eine wichtige Rolle. Ist sie geschädigt, läuft die Lebensqualität aus der Bahn. Trockene und gerötete Stellen, krustige und juckender Ausschlag, nässende Ekzeme – ein Horror für jede*n, der*die schon einmal starken Juckreiz empfunden hat.

Krank trotz gesundem Lebensstil

„Ich erinnere mich an Tage, an denen mein ganzer Körper gejuckt hat und ich teilweise nachts aufgewacht bin, weil ich mich so kratzen musste“, erzählt Tammy. Die 28-Jährige leidet seit ihrer Kindheit an Neurodermitis, nach ihrer Corona-Erkrankung vergangenen Dezember sind die Symptome wieder schlimmer geworden. „Als Kind hatte ich nach dem Sport immer Ausschlag in den Arm- und Kniebeugen und reagierte auf viele Lebensmittel allergisch. Im Gymnasium fing es mit den Augen an, sie waren gerötet und entzündet und seit Corona habe ich eine extrem trockene Kopfhaut und Ekzema auf dem Rücken und im Dekolleté.“

Während sich die trockenen Stellen am Körper mit Kleidung verstecken lassen, sind Rötungen im Hals, Gesicht oder gar auf der Augenhaut ein permanenter Störfaktor, der sowohl physisch als auch psychisch belastet. „Wenn ich Freunde treffe weiß ich, dass ich für sie krank aussehe, obwohl ich alles tue, um gesund zu sein. Wenn ich im Flur auf der Arbeit Kollegen kreuze, meide ich es, sie zu grüßen, weil ich nicht will, dass sie meine roten Augen sehen“, berichtet Tammy. Sie gehe nie ohne Creme aus dem Haus, war bereits bei fünf Ophthalmologen und träufelt ihre Sklera (umhüllt den Augapfel bis zum Rand der Hornhaut, zuständig für die weiße Farbe des Auges sowie Form und Stabilität) aktuell mit Weißmacher-Tropfen – nicht etwa, weil diese die Schmerzen lindern, sondern um sich so wenigstens äußerlich „normal“ zu fühlen.

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