Ruhe im Bauch und Kopf: Gewichtsreduzierende Spritzen finden auch im überdurchschnittlich schweren Luxemburg Anklang. Endokrinologin Dr. Catherine Atlan sieht darin eine "medizinische Revolution", für Jill Gatti bedeutet sie die "Befreiung von der Esssucht". Diskussionen um Notwendigkeit, Nebenwirkungen, Verfügbarkeit und Missbrauch übertünchen für beide eine echte gesellschaftliche Chance.
"Da war immer diese Stimme in meinem Kopf, die ununterbrochen zuflüsterte: 'Hol dir was zu essen. Geh zum Kühlschrank.' Ich habe sie nun seit über einem halben Jahr nicht mehr gehört." Für Jill Gatti bedeutet die Spritze mit einem GLP-1-Rezeptoragonisten, Medikamenten, die das Sättigungshormon nachahmen (bekannt unter Markennamen wie Ozempic, Wegovy oder Mounjaro) eine Gelegenheit, ihr Leben umzukrempeln. Etwa 25 Kilo konnte sie in dieser Zeit abnehmen – nun fühlt sie sich zum ersten Mal seit Langem wohl in ihrer Haut. "Meine Kinder sagen mir, dass ich viel glücklicher aussehe", sagt sie mit einem breiten Lächeln.
Schlechter PR-Start
Die Entstehungsgeschichte dieser Medikamente – insbesondere Ozempic – ist bis heute Fokus vieler Diskussionen. Ursprünglich war es als Mittel gegen Diabetes konzipiert und zugelassen. Doch schnell hat sich herausgestellt, dass der Wirkstoff dem menschlichen Sättigungshormon "Glucagon-like Peptide 1" (GLP-1) so sehr ähnelt, dass er im Körper unter anderem einlang anhaltendes Sättigungsgefühl auslöst. Der Blutzuckerspiegel sinkt, Essen wird langsamer verdaut. Die Folge: Man isst weniger und die Kilos schmelzen. Dies ließ Ozempic schnell zum Modemedikament avancieren, das in Hollywood dünne Taillen weiter schmälerte. Die "Luxusanwendung" des Medikaments führe zu Engpässen und Preisanstiegen für Menschen, die zum Überleben darauf angewiesen waren.
Du willst mehr? Hol dir den Zugang.
-
Jahresabo185,00 €/Jahr
-
Monatsabo18,50 €/Monat
-
Zukunftsabo für Abonnent*innen im Alter von unter 26 Jahren120,00 €/Jahr
Du hast bereits ein Konto?
Einloggen