20 Jahre Mudam: Was einst als politisch umstrittenes Prestigeprojekt begann, ist längst ein international angesehenes Museum für zeitgenössische Kunst. Direktorin Bettina Steinbrügge spricht über Peis Architektur, die Luxemburger Kunstszene sowie den jüngsten Führungsstreit.
Seit seiner Eröffnung vor 20 Jahren hat sich das Museum international einen Namen gemacht, gleichzeitig war es immer wieder Gegenstand von Kontroversen. Bettina Steinbrügge, seit 2022 Direktorin des Hauses, will den Blick deshalb nach vorne richten: auf ein Museum, das sich öffnet, sein Publikum erweitert und zeitgenössische Kunst aus dem Elfenbeinturm herausholt.
Lëtzebuerger Journal: Die Geschichte des Mudam beginnt lange vor seiner Eröffnung. Luxemburg wollte ein Museum für moderne Kunst, hatte aber nichts zum Ausstellen und schon gar keine passende Sammlung. Aus dem geplanten Museum für moderne Kunst wurde deshalb ein Museum für zeitgenössische Kunst. Wollte Luxemburg seinerzeit vielleicht mit den großen Hunden pinkeln, konnte aber das Bein nicht heben?
Bettina Steinbrügge: Ich finde, dass die Luxemburger wirklich stolz sein können. Sie haben ein tolles Museum in einem architektonischen Landmark gebaut, das auch international einen sehr guten Ruf hat. Zu Museen und zeitgenössischer Kunst gehört nun mal, dass über sie diskutiert wird. Das ist normal. Inzwischen haben wir zwischen 850 und 870 Kunstwerke in unserer Sammlung. Wir haben also sehr gut gesammelt.
Der Bau von I. M. Pei war stark umstritten und sorgte für heftige politische Diskussionen: Kosten, Standort, der Eingriff in das historische Fort Thüngen, Architektur, Größe, die Wahl der richtigen Steine. Gebaut wurde das Museum dann trotzdem, wenn auch viel kleiner als ursprünglich geplant. Haben Sie im Ausland etwas von dieser Polemik mitbekommen?
Selbstverständlich. Wenn man vor so einer Berufung steht, schaut man sich natürlich auch die entsprechende Presse an. Ich wusste aber auch einiges, weil ich bereits den Rohbau besichtigt hatte und Kontakte zum Casino hatte, unter anderem zu Enrico Lunghi.
Inzwischen gilt das Museum neben der nicht weniger ikonischen Philharmonie als eine der architektonischen Top-Sehenswürdigkeiten Luxemburgs. Hat Peis Architektur Einfluss darauf, welche Kunst im Mudam gezeigt werden kann, und welche nicht?
Sicherlich. Man kann ja nicht gegen die Architektur arbeiten. Peis Architektur ist sehr ausdrucksstark. Es gibt natürlich Künstlerinnen und Künstler, die besser in diese Architektur passen.
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