Cannabis als therapeutische Waffe

Von Audrey SomnardLex KlerenMisch Pautsch Für Originaltext auf Französisch umschalten

Das Pilotprojekt zu medizinischem Cannabis wurde bis zum Ende dieses doppelten Wahljahres verlängert, während dem die Parteien sicherlich keine Entscheidung in dieser Frage treffen wollen. In der Zwischenzeit sind Ärzt*innen und Patient*innen ratlos.

Cannabis hat sich in den letzten Jahren von einer verbotenen Droge zu einem Instrument der Medizin entwickelt und sein Image verbessert. Für manche Patient*innen ist Cannabis die einzige wirksame Behandlung, um Schmerzen zu lindern und im Alltag zu helfen. Dies ist der Fall von Évelyne (Name von der Redaktion geändert), die an Multipler Sklerose leidet und jeden Abend ihren Cannabiskeks isst. Man würde sich nicht vorstellen, dass die 50-Jährige konsumieren würde. Für sie sei es eine gute Alternative zu Schlaftabletten. „Ich wurde 2005 diagnostiziert, aber bis 2012 war die Krankheit relativ unverändert. Ich habe keine Spasmen wie andere Menschen mit der Krankheit, aber ich kann nicht schlafen. Zunächst wurden mir Schlaftabletten verschrieben“, erzählt sie. Die Medikamente waren ihr jedoch viel zu stark: „Ich war völlig taub, konnte morgens nicht aufwachen und hatte keinen erholsamen Schlaf. Außerdem machen Schlaftabletten süchtig“, fährt sie fort.

Die Ärzt*innen verschreiben ihr daraufhin Sativex, das in Luxemburg zugelassene Medikament auf Cannabisbasis, mit einer Dosis von acht Prozent THC und acht Prozent CBD. Aber man muss noch die richtige Dosierung finden: „Das ist nicht einfach, der Arzt erhöht die Dosis, bis es passt, aber bei mir hat das nie funktioniert.“ Denn Évelyne brauche eine höhere Konzentration an CBD und nicht an THC, was das auf dem Markt befindliche Sativex nicht bietet. Also habe die Luxemburgerin die Dinge selbst in die Hand genommen ‒ auf die altmodische Art: „Ich habe mir im Ausland Samen besorgt und einige Setzlinge in meinem Garten gepflanzt, ich ernte am Ende des Jahres, was ich brauche. Das reicht mir. Es wächst wie Unkraut, aber es ist saisonal“, erklärt sie.

Auch wenn jede Pflanze anders ist, interessiere sich Évelyne für die beruhigenden Eigenschaften von CBD, aber es ist unmöglich, Pflanzen ohne THC zu bekommen. Für sie wäre die Legalisierung eine Möglichkeit, sich nicht mehr außerhalb des Gesetzes zu befinden, auch wenn eine Gesetzgebung immer eine Reihe von Einschränkungen mit sich bringt: „Natürlich würde ich gerne keine Kriminelle mehr sein, aber es ist in jedem Fall kompliziert, weil mein Konsum am Abend vor dem Schlafengehen in Bluttests mehrere Tage später sichtbar wird … technisch gesehen darf ich also nicht Auto fahren, auch wenn ich es trotzdem tue.“ Ein Umstand, der nur funktioniert, wenn sie sich in Luxemburg aufhält. Wenn sie im Ausland Urlaub macht, kann sie nicht riskieren, ihr Cannabis mitzunehmen: „Dann muss ich während dieser Zeit wieder zu Schlaftabletten greifen, das ist nicht so gut, aber solange es nicht zu lange dauert, kann ich damit leben“, erzählt sie.

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