Wie die extreme Rechte die Wellness-Szene infiltriert

Von Audrey SomnardLex Kleren Für Originaltext auf Französisch umschalten

Unter Videos mit "natürlichen" Rezepten, Fitnessroutinen oder Wellnesstipps verbreiten manche Influencer*innen nach und nach maskulinistische, verschwörungstheoretische oder identitäre Botschaften. Dr. Catherine Tebaldi, Forscherin an der Universität Luxemburg, untersucht, wie die Codes der Wellness- und Selbstoptimierungskultur mitunter zu Einstiegspunkten für reaktionäre Ideologien werden, die durch die Algorithmen sozialer Netzwerke zusätzlich verstärkt werden.

Morgenroutine um 05.00 Uhr morgens. Detox-Smoothie mit "natürlichen" Zutaten. Tipps, um die Kontrolle über die eigene Gesundheit wiederzuerlangen. Auf Instagram, TikTok oder YouTube gibt es immer mehr Wellness- und Selbsthilfe-Inhalte. Auf den ersten Blick scheint das nichts Beunruhigendes zu sein: besser essen, Sport treiben, weniger stark verarbeitete Produkte verwenden oder einen gesünderen Lebensstil anstreben - all das sind konsensfähige Wünsche. Aber hinter manchen Reden über Wohlbefinden und "reine" Ernährung verbirgt sich manchmal eine Welt, die viel radikaler ist, als es den Anschein hat. Im Laufe der Videos können Gesundheitstipps allmählich in Anti-Impf-Inhalte, maskulinistische Diskurse, Verschwörungstheorien oder eine Obsession für die "Reinheit" des Körpers und der Gesellschaft abdriften.

Das Abgleiten ist oft subtil. Einige Beiträge über die angeblichen Gefahren von industriell hergestellten Lebensmitteln oder die Vorteile von Rohmilch können schnell neben Videos stehen, die eine Gesellschaft anprangern, die durch den Feminismus, die Institutionen oder die Moderne "geschwächt" wird. Die Algorithmen der sozialen Netzwerke spielen dann eine zentrale Rolle, indem sie Fitness-, Lifestyle-, virilistische oder identitätsstiftende Inhalte miteinander verknüpfen. "Der Körper ist eine Metapher", fasst Catherine Tebaldi zusammen, eine linguistische Anthropologin an der Universität Luxemburg, die die kulturellen und ideologischen Praktiken in rechtsextremen Kreisen untersucht. Hinter den Aufforderungen, seine Ernährung zu "reinigen" oder seinen Körper zu optimieren, spielen sich auch Weltanschauungen, soziale Hierarchien und politische Vorstellungswelten ab.

Vom Detox-Smoothie zum "Soy Boy"

In diesen Online-Gemeinschaften geht es beim Essen nie nur um Ernährung. Bestimmte Lebensmittel werden zu ideologischen Symbolen. Rohmilch wird als "reiner" und "natürlicher" dargestellt. Rotes Fleisch wird zu einem Marker für Männlichkeit. Umgekehrt werden vegetarische Produkte oder Soja manchmal mit einer angeblichen "Verweiblichung" der Männer in Verbindung gebracht. "Die Lebensmittel werden rein oder unrein", erklärt Catherine Tebaldi. Die Forscherin beobachtet bei diesen Inhalten eine Faszination für eine Rückkehr zu einer vermeintlich ursprünglichen Natur, die oft mit sehr hierarchischen Sichtweisen der sozialen und Geschlechterverhältnisse verbunden ist. "Alles, was nicht 'roh' oder 'natürlich' ist, wird verdächtig", fasst sie zusammen. Einige Influencer*innen stellen somit "natürliche" Produkte einer modernen Gesellschaft gegenüber, die als künstlich, dekadent oder schwächend angesehen wird.

Im Gespräch mit dem Lëtzebuerger Journal zitiert die Forscherin insbesondere die Diskurse um "carnivore" Diäten oder Gemeinschaften, die von männlicher körperlicher Leistung besessen sind. Auf TikTok und YouTube inszenieren Influencer ultra-kodifizierte Routinen: Aufwachen vor dem Morgengrauen, massiver Proteinkonsum, Ablehnung von als "giftig" eingestuften Lebensmitteln, intensives Training oder ständige Optimierung des Körpers.

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