"Wer den Kopf zuerst aus dem Fenster streckt, ist einen Kopf kürzer"
Von Pascal Steinwachs, Lex Kleren
Warum Franz Fayot derzeit lieber nicht über eine Spitzenkandidatur spricht, was er an der Regierung Frieden vermisst - und warum heute wohl kein*e Minister*in mehr Wein für über 30 Euro bestellt. Ein Gespräch über die LSAP, den Nahostkonflikt - und die Frage, ob gutes Aussehen in der Politik tatsächlich hilft.
Franz Fayot kennt die Politik aus verschiedenen Perspektiven: als Minister, als Parteipräsident und als Abgeordneter. Zu besprechen gab es also genug.
Lëtzebuerger Journal: Sie haben das Wirtschaftsministerium im Februar 2020, also ausgerechnet zu Beginn der Corona-Krise, übernommen, nachdem Etienne Schneider keine Lust mehr hatte und sein Leben zurückwollte. Wie blicken Sie auf diese schwere Zeit zurück?
Franz Fayot: Das war effektiv ein unglaubliches Timing. Ich wurde Anfang Februar 2020 zum Minister ernannt und hatte gerade noch Zeit, um zusammen mit Pierre Gramegna (dem damaligen DP-Finanzminister, d. Red.) eine Wirtschaftsmission nach Italien zu machen. Wir waren zunächst zwei Tage in Rom und konnten dort noch ein einigermaßen normales Programm machen, aber das war genau die Zeit, in der Italien als erstes Land massiv von Covid getroffen wurde. Kurz darauf kam Covid auch bei uns an. Ich stand damals als frischgebackener Minister im zwölften Stock in meinem Ministerium am Boulevard Royal, schaute nach unten und sah keinen einzigen Wagen. Alles stand still und ich dachte: Merde, unter dir geht jetzt die Wirtschaft zugrunde. Die Regierung hat dann aber relativ schnell sehr viele Maßnahmen ergriffen, um die Unternehmen zu unterstützen: Kurzarbeit, verschiedene Hilfen und andere Maßnahmen, die auch schnell ausgezahlt wurden.
Wie blicken Sie denn insgesamt auf Ihre Zeit in der Regierung zurück?
Als Minister kann man Dinge verändern. Man kann gestalten und hat mehr Firepower als ein Parlamentarier. Meine Priorität im Wirtschaftsressort war immer, die Wirtschaft nachhaltiger zu gestalten. Das bedeutete aber auch, der Industrie die Botschaft zu vermitteln, dass wir dekarbonisieren müssen, und dass man einen First-Mover-Vorteil hat, wenn man das früh macht. Deshalb habe ich auch Dinge wie die Luxembourg Strategy angestoßen. Es ging darum, sich strategisch aufzustellen und zu überlegen, welche Branchen für Luxemburg interessant sind.
Sie waren ja nicht nur Wirtschafts-, sondern auch noch Kooperationsminister.
Auch die Kooperation war ein interessanter Aufgabenbereich. Covid hat die Entwicklungsländer besonders stark getroffen. Es ging darum, zu überlegen, wie man diese Länder resilienter machen kann, sowohl mit Blick auf die Rechte der Frauen als auch auf die Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel. Beide Ressorts waren für mich äußerst spannend.
Du willst mehr? Hol dir den Zugang.
-
Jahresabo185,00 €/Jahr
-
Monatsabo18,50 €/Monat
-
Zukunftsabo für Abonnent*innen im Alter von unter 26 Jahren120,00 €/Jahr
Du hast bereits ein Konto?
Einloggen