Wenn Papa die Kinder großzieht

Von Laura TomassiniLex Kleren

Vatersein hat in den vergangenen Generationen einen gesellschaftlichen Wandel durchlaufen: Vom schuftenden Papa, der abends die Füße hochlegt und maximal noch eine Gutenachtgeschichte vorliest, hin zum aktiven Part in der Familie, der Kindererziehung mindestens genauso ernst nimmt, wie die Mama – und in manchen Fällen sogar mehr.

Sie sind bei weitem kein Randphänomen der Gesellschaft mehr, sondern zeigen deutlich, wie sich diese in den letzten Jahren entwickelt hat: Väter, die sich bewusst und engagiert in die Kindererziehung einbringen, oder diese gar komplett übernehmen. Spätestens seit der Einführung des Vaterschaftsurlaubes im Januar 2018, hierzulande liebevoll „Pappecongé“ getauft, wird auch der männliche Part des Elternduos schriftlich sichtbar in die Verantwortung gezogen und die Rolle des Vaters hat sich stark geändert. Während viele Papas von früher nur kurze Momente mit ihren Sprösslingen verbrachten und sich im Falle einer Scheidung mit dem Besuchsrecht zufriedengeben mussten, darf und will Man(n) heutzutage auch Kinder erziehen, und tut dies in manchen Fällen sogar lieber als gedacht.

Zwar galt der 1998 eingeführte Elternurlaub bereits für Mütter und Väter, so richtig aktiv wurden Luxemburgs Papas in der Kindererziehung allerdings erst seit der Reform des Gesetzes vor rund sechs Jahren. 6.186 Männer kümmerten sich laut den Statistiken der Zukunftskasse 2021 um ihre Sprösslinge – also laut dem Jahresbericht derselben von 2020 genau 384 mehr als im Jahr zuvor, in dem männliche Antragsteller ihren weiblichen Gegenpart mit 5.802 zu 5.084 bereits um 14 Prozent übertrafen –, unter ihnen ebenfalls Luca Menichetti. Mit 26 wurde der Pfleger Vater einer kleinen Tochter. Heute, fünf Jahre danach, weiß Luca, was Vatersein wirklich bedeutet: „In der Generation unserer Väter war die einzige Rolle des Mannes, wenn die Fruchtblase der Frau geplatzt ist, ihren Koffer – den sie meist noch selbst gepackt hatte – ins Auto zu bringen, sie sicher durch den Verkehr ins Krankenhaus zu fahren und dann abzuwarten, bis das Kind geboren war. Ich bin bei allen wichtigen Momenten im Leben meiner Tochter dabei und das ist das Einzige, was ich jemals komplett durchgezogen habe und niemals mehr zurückgeben würde.“

Mehr Möglichkeiten für Väter

Hunderttausend Mal würde Luca nachts aufstehen, um dem Ruf seiner Kleinen Beachtung zu schenken. Dass er dies tun darf, verdankt er jedoch der heutigen Zeit. „Ich habe im Kontext von Trennungen mal den Begriff Disney-Daddies gelesen, das sind Väter, die immer wieder auf magische Weise und meist nur am Wochenende auftauchen, für ein paar Stunden coole Dinge mit ihren Kindern unternehmen und dann wieder verschwinden, wie eine Fee“, so Luca. Früher sei die Zeit von Vätern mit ihren Kindern nun mal begrenzt gewesen und Männer hätten für ihre Basis-Rechte in der Kindererziehung kämpfen müssen. Durch die Neuerungen in den Gesetzen der letzten Jahre habe sich dies jedoch geändert.

Auch Luca konnte von diesen profitieren und nahm sich zum sechsten Lebensmonat seiner Tochter ein halbes Jahr Elternzeit. „Wir Väter werden jetzt bei der Erziehung unserer Kinder mehr mit einbezogen, weil der Staat es uns erlaubt“, sagt der 30-Jährige. Doch während die offiziellen Weichen für die Papas des Landes zum Großteil gelegt sind, gibt es im Alltag noch vereinzelte Situationen, in denen Vatersein zur Herausforderung wird. „Als meine Tochter noch ein Baby war, haben es die Einrichtungen, die es an vielen öffentlichen Orten gibt, oftmals nicht erlaubt, meine Rolle als Vater auch richtig auszuführen.“

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