Von Praia nach Luxemburg: Kap Verdes historisches WM-Debüt

Von Gilles Kayser Für Originaltext auf Englisch umschalten

Bonnevoie, Luxemburg, Weltmeisterschaft: An einem heißen Montagabend, inmitten von Trommelklängen und Tanz, halten zwei kapverdische Bars den Atem an. Gilles Kayser hat Momente der Hoffnung, der Gastfreundschaft und des Zusammenhalts eingefangen.

Am Montagabend, als das Spiel zwischen Kap Verde und Spanien stattfand, befand ich mich in Bonnevoie, in und um zwei kapverdische Bars herum.

Die Luft war warm und schwül. Schon Stunden vor Anpfiff hatten sich die Leute draußen versammelt. Man hörte Trommeln, Gelächter, jemanden singen, jemanden über Fußball streiten. Überall lagen Bierflaschen verstreut. Es war eine dieser Nächte, die ganz gewöhnlich wirken, bis man merkt, dass sie es nicht sind.

Seit ich mich erinnern kann, ist Kap Verde ein Teil von Bonnevoie. Man sieht es in den Cafés, hört es in den Gesprächen, spürt es im Rhythmus des Viertels. Aber diese Nacht fühlte sich anders an. Es stand etwas auf dem Spiel. Eine winzige Nation mit einer weltweit verstreuten Diaspora stand kurz davor, ihr erstes WM-Spiel zu bestreiten.

Auf der Anzeigetafel stand 0:0. Je länger es unentschieden blieb, desto mehr Menschen begannen, zu glauben. Hoffnung durchströmte die Menge wie eine Strömung. Niemand wagte es, es laut auszusprechen, doch ein hoffnungsvoller Glanz in den Augen der Menschen verriet ihr Schweigen. Vielleicht. Vielleicht heute Abend.

Diese Wärme hatte ich schon einmal gespürt, damals auf den Inseln selbst. Die gleiche Gastfreundschaft. Die gleiche Art, wie die Menschen einem am Tisch Platz machen, selbst wenn gar kein Platz mehr frei ist. Als ich dort in Bonnevoie stand, kam es mir seltsam vertraut vor.

Fußball wird oft als bloßes Spiel abgetan, als bloße Ablenkung. Aber an manchen Abenden wird er zu etwas anderem. Ein Grund für Fremde, Schulter an Schulter zu stehen. Ein Grund, sich als Teil von etwas zu fühlen, das größer ist als man selbst. Für ein paar Stunden schien der Atlantik ganz klein zu sein.

Editiert von Gloria Estevan.

Du willst mehr? Hol dir den Zugang.

  • Jahresabo

    185,00 €
    /Jahr
  • Monatsabo

    18,50 €
    /Monat
  • Zukunftsabo für Abonnent*innen im Alter von unter 26 Jahren

    120,00 €
    /Jahr

Du hast bereits ein Konto?

Einloggen