Von Benin nach Luxemburg

Von Audrey SomnardMisch Pautsch Für Originaltext auf Französisch umschalten

Narcisse Dovenon erzählt immer wieder von seinem Weg von Afrika nach Europa als gebildeter Einwanderer. Um Klischees abzubauen, aber auch für einen guten Zweck.

Er ist eine kleine Berühmtheit, die wir im Dokumentations- und Migrationszentrum (CDMH) am Bahnhof von Dudelange-Usines treffen. In der Szene der beninischen Auswanderer*innen nutzt Narcisse Dovenon die sozialen Netzwerke, um Neuigkeiten aus seinem Heimatland zu verbreiten und eine ziemlich eingeschworene Gemeinschaft am Leben zu erhalten. Wenn er nicht gerade Videos auf TikTok postet, ist Narcisse Archivar und Bibliothekar im CDMH, wo er uns an einem verregneten Sommernachmittag am Vorabend eines Literaturabends empfängt, an dem er sein Buch für wohltätige Zwecke beworben hat.

Wie ist der Mann aus Benin nach Luxemburg gekommen? Seit der Flüchtlingskrise muss Narcisse regelmäßig Leute korrigieren, die ihn fragen, ob die Überfahrt über das Mittelmeer nicht zu gefährlich gewesen sei: "Es ist wirklich ein Klischee, dass Afrikaner nach Europa kommen, ohne Papiere und unter schrecklichen Bedingungen das Meer überqueren. Das ist überhaupt nicht meine Geschichte und deshalb dachte ich, dass es interessant wäre, sie zu erzählen", meint er. Was er mit allen anderen Migrant*innen in Europa und Luxemburg gemeinsam hat, ist der Wunsch, sein Heimatland zu verlassen. Narcisse wuchs als eines von fünf Kindern in einer beninischen Familie auf, die weder arm noch reich war. Sein älterer Bruder ging nach Deutschland, um zu studieren, und schon bald träumte er davon, ihm zu folgen. Ein Studium im Ausland ist für afrikanische Familien sehr prestigeträchtig: "Es ist ein Erfolgsgarant für meine Familie. Umso mehr, als ich in der Schule Deutsch als erste Sprache gewählt hatte", wie um sich auf die Abreise vorzubereiten. Narcisse Dovenon ist der Meinung, dass sich seine Landsleute nicht ohne Sicherheitsnetz in das europäische Abenteuer stürzen: "Wir sind keine großen Abenteurer, im Gegensatz zu anderen afrikanischen Ländern. Die Beniner reisen sehr wenig, und wenn sie auswandern, dann weil sie jemanden vor Ort haben, Familie, Bekannte, ein Beniner geht nie irgendwo hin, wo er niemanden kennt."

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