Verzweifeltes Afghanistan

Von Melody HansenMike Zenari

Im Januar sprach der UN-Generalsekretär Antonio Guterres von einem „sich entfaltenden Albtraum in Afghanistan“ und warnte die Welt vor einem „Rennen gegen die Zeit um afghanischen Menschen zu helfen“. Ein Gespräch mit Fida Sarwary, einem Afghanen in Luxemburg, und Sam Mort, einer Unicef-Mitarbeiterin, die sich in Kabul befindet, über eine aussichtslose Situation.

Fida Sarwary begrüßt uns in seiner Wohnung im Düdelinger Zentrum. Er stellt eine rosafarbene Teekanne sowie ein Tablett mit Keksen und getrockneten Weintrauben auf den Boden und setzt sich auf die Couch daneben. „Die Farbe der Kanne hat meine Tochter ausgesucht. Sie ist fünf Jahre alt“, sagt der 27-Jährige und seine dunklen Augen strahlen. In der Kanne ist Schwarztee aus Afghanistan. Auch die Rosinen sind aus Afghanistan. „Ich habe sie gerade erst aus dem Tiefkühler geholt. Es kann also sein, dass sie noch etwas kalt sind.“ Als Fida Tee und Rosinen im August in Afghanistan in seinen Koffer gepackt hat, wusste er nicht, ob er lebend in Luxemburg, bei seiner Frau und seiner Tochter, ankommen würde.

Fida war nach Afghanistan gereist, um seinen kranken Vater zu besuchen. Nur zwei Tage vor seinem Rückflug, am 15. August 2021, übernehmen die Taliban das Land. Fida hängt zehn Tage lang in Kabul fest und durchlebt die Hölle. Am Flughafen wird er von Taliban verprügelt. Er sieht, wie Kinder sterben und Menschen sich gegenseitig erdrücken. Währenddessen bangen seine Frau und seine Tochter zuhause um ihn. Die ganze Geschichte hatte er im September dem Tageblatt erzählt.

Heute – knapp sechs Monate später – kämpft Fida immer noch mit dem, was er erlebt hat. „Die ersten beiden Wochen nach meiner Rückkehr konnte ich kaum schlafen. Es ist immer noch sehr schwer für mich.“ Dass sich die Situation in seinem Heimatland seit seiner Rückkehr drastisch verschlimmert hat, tut ihr Übriges.

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