Trump II und die Angst vor dem Rückschritt: Amerikanische Stimmen aus Luxemburg
Von Laura Tomassini, Lex Kleren
Mit Entsetzen verfolgen viele ausgewanderte US-Bürger*innen die politische Entwicklung ihres Landes. Seit Donald Trumps zweiter Amtszeit ist im Heimatland nichts mehr wie zuvor. Zwei in Luxemburg lebende Frauen erzählen, warum sie nicht in die USA zurückkehren wollen – und was ihnen dennoch Hoffnung gibt.
"Trump ist wie ein schlecht erzogenes Kind und ich mag keine schlecht erzogenen Kinder, die glauben, die Welt zu regieren." Horror, Schock, Unglaube: Heidi Greene spricht das aus, was viele Amerikaner*innen weltweit aktuell fühlen. Fast täglich kommt aus den USA eine neue Hiobsbotschaft, denn seit Donald Trump am 20. Januar 2025 seine zweite Präsidentschaft angetreten ist, nehmen die Negativ-Schlagzeilen kein Ende. Schätzungen zufolge leben zwischen fünf und neun Millionen US-Bürger*innen im Ausland, die konkreten Zahlen für neue Auswanderer*innen im Jahr 2025 wurden zwar noch nicht veröffentlicht, geschätzt wird jedoch ein Anstieg von über 100 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – unter anderem wegen der aktuellen politischen Führung unter Trump.
Auch Luxemburg hat eine wachsende amerikanische Gemeinschaft. Laut Statec leben am 1. Januar 2025 rund 9.400 Amerikaner*innen im Großherzogtum, 2021 waren es noch 7.300. Heidi Greene ist eine von ihnen und schon lange hier zuhause. In Indiana geboren, verbrachte sie ihre Kindheit und Jugend in Arizona, bevor sie mit Mitte 20 dann nach einem Backpacking-Trip in Europa auswanderte. Der Grund: der Aufschwung eines radikaleren Nationalismus, der in den USA auf die Terroranschläge vom 11. September folgte und dazu führte, dass sie sich dort nicht mehr wohlfühlte. "Wir wurden unser ganzes Leben lang mit Propaganda gefüttert, dass wir Amerikaner die meisten Freiheiten besitzen und die meisten Bürgerrechte, aber das ist nicht wahr: In vielen europäischen Ländern ist beides besser", sagt Greene.
Wie in einem Albtraum
Dass Trump ein zweites Mal zum Präsidenten gewählt werden würde, hätte sie nicht erwartet, denn "viele ziehen Parallelen zwischen ihm und einem Cartoon-Bösewicht und falsch ist das nicht", so die 46-Jährige. Ihre letzte Reise nach Amerika ist nun etwas über ein Jahr her. Damals standen die USA kurz vor der Präsidentschaftswahl und überall zierten Pro-Trump-Wahlplakate die Vorgärten der Nachbarschaft, in der Greenes Bruder lebt. "Es bricht mir das Herz zu sehen, wie die verschiedenen Kulturen von Arizona nun angegriffen werden, denn eigentlich gehören sie geschützt", so die Auswanderin, deren Partner aus Togo stammt.
In ihrem engsten Kreis gibt es viele mit Migrationshintergrund. Etwa der Mann ihrer Tante, der in Trinidad und Tobago geboren wurde, seit über 30 Jahren aber mit seiner Frau in Amerika lebt. "Die beiden haben nun Angst, aus dem Haus zu gehen. Meine Tante ist richtig depressiv", so Greene. Heute verstehe sie auf andere Weise, wenn ihr Partner vom autoritären Regime seiner Heimat spricht, der Repression und Anspannung im Land, denn genau dies beobachte sie in Amerika: "Es fühlt sich an, als wäre man in einem Albtraum gefangen. Man ist komplett machtlos." Wirklich überraschen tut sie Trumps Politik jedoch nicht, schließlich gab es schon früh in seiner politischen Laufbahn erste Warnzeichen: "Was soll man von jemandem erwarten, der sich über einen behinderten Reporter lustig macht und öffentlich Phrasen wie 'Grab' em by the pussy' sagt."
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