Schulangst, Mobbing, Schulverweis: Sie vermittelt, bevor alle Stricke reißen
Von Christian Block, Lex Kleren
In ihrem ersten Schuljahr als Schulmediatorin hat Marguerite Krier erlebt, wie schnell Missverständnisse zwischen Eltern, Schülern und Lehrkräften eskalieren können. Im Gespräch erklärt sie, warum Schulangst und soziale Medien neue Herausforderungen schaffen und weshalb Vertrauen für die Mediation entscheidend ist.
Lëtzebuerger Journal: Marguerite Krier, Sie haben Ihr erstes Schuljahr als Schulmediatorin hinter sich. Wie war diese Erfahrung bislang?
Es war ein intensives Jahr. Ich hatte zwar schon eine Vorstellung davon, wie meine Arbeit aussehen würde, aber sie ist dennoch vielseitiger, als ich dachte. Keine Situation gleicht zu 100 Prozent einer anderen.
Der Schulmediationsdienst ist mittlerweile bekannt. Könnten Sie trotzdem nochmal erklären, warum es ihn gibt?
Die Anlaufstelle wurde 2018 geschaffen, um Schüler aufzufangen, die trotz der vielen bestehenden Unterstützungsangebote durchs Netz fallen und aus dem Schulsystem herausfallen. Er soll informieren, orientieren und vor allem dort vermitteln, wo auf lokaler Ebene keine Lösung gefunden werden kann und sich die Fronten verhärtet haben. Ziel ist es, gemeinsam mit den Beteiligten doch noch eine einvernehmliche Lösung zu finden.
Welche Erfahrungen nehmen Sie aus dem ersten Jahr mit?
Was mich in diesem Jahr besonders geprägt hat, ist, wie viel hinter einem scheinbar einfachen "Bedürfnis" steckt. Hinter einer Anfrage stecken oft Emotionen, persönliche Erfahrungen, familiäre Hintergründe und Erwartungen. Um wirklich zu verstehen, was jemand braucht und was hinter seiner Forderung steckt, muss man sich Zeit nehmen und genauer hinschauen.
Welche Entwicklung bereitet Ihnen derzeit am meisten Sorgen?
Das Thema Schulangst gewinnt für mich an Bedeutung. Der Aktivitätsbericht meiner französischen Amtskollegin basiert fast vollständig auf diesem Thema. Wo kommt die "phobie scolaire" her? Was sind die Ursachen, die dafür sorgen, dass Jugendliche aus Angst nicht mehr zur Schule gehen wollen? Welche Hebel können dagegen in Bewegung gesetzt werden? Wir setzen uns intern viel mit diesem Thema auseinander und nehmen es sehr ernst.
Gewalt in und außerhalb von Schulen ist ein anderes Thema, insbesondere im Zusammenhang mit Handys und sozialen Netzwerken. Eine Auseinandersetzung wird heute sofort gefilmt und verbreitet. Die Rollen von Opfer und Täter wechseln manchmal innerhalb kürzester Zeit. Diese Geschwindigkeit stellt uns vor neue Herausforderungen.
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