Proteinpulver: Was wirklich drin ist und warum es teurer wird

Von Sherley De DeurwaerderLex KlerenMisch Pautsch

Proteinpulver ist gefragt wie nie – doch was auf der Verpackung steht, hält nicht immer, was es verspricht. Zwei Freunde aus Luxemburg haben ein Unternehmen gegründet, um es besser zu machen. Dabei zeigt sich: Das Problem reicht weit über Etikettenschwindel hinaus.

Es ist eine Geschichte, wie so manche gründungsfreudige Freund*innen sie sich mindestens einmal in ihrem Leben erträumt haben: Zwei Freunde kennen sich aus dem Lycée, verlieren einander kurz aus den Augen, aber ihre Wege kreuzen sich wieder während dem Studium. Das gemeinsame Hobby – ins Fitnessstudio gehen – verbindet sie miteinander. Gegenseitig werfen sie sich die neuesten Tipps und Tricks zu, probieren sich gemeinsam durch eine ganze Palette an Übungen und Supplements, mitunter auch Proteinpulver.

Wenig später, 2018, wird aus der gemeinsamen Leidenschaft ein eigenes Proteinpulver: honest+, ein Produkt, das sich durch Transparenz auszeichnen soll und später in der RTL-Success Story aufgenommen wird. So begann es für Ricardo Prosperi und Tim Thomé – lange bevor "rich in protein" zum "low calory" der Post-Covid-19-Zeit wurde und in deutschsprachigen Medien vermehrt Berichte auftauchten, wonach eiweißreiche Produkte wie Skyr oder – in seiner veganen Alternative – Tofu in Supermärkten zeitweise vergriffen sind. Eine Lage, die der luxemburgische Markt bislang nicht in diesem Ausmaß kennt, und doch ist auch hier nicht zu übersehen, dass praktisch jede Branche versucht, möglichst viele als proteinreich gelabelte Produkte anzubieten, ob im Supermarkt, in der Drogerie oder in der Gastronomie.

Mittlerweile kennt man die Marke Prosperis und Thomés nicht mehr unter honest+, sondern unter naway, für "natural way". "Es stellte sich heraus, dass der Name bereits vergeben war, und jeder sagte uns: 'Loosst dat einfach sinn, well dat gëtt Gedeessems'" – lasst das lieber sein, das gibt nur Ärger, so Prosperi. Wir treffen den Marketingexperten in einem Fitnessstudio nahe der deutsch-luxemburgischen Grenze.

Was draufsteht, ist nicht immer (nur) drin

"Mit den Jahren sind wir dabei aber an eine Qualitätsgrenze gestoßen", erinnert sich Prosperi an das damalige Angebot an Proteinpulvern in Supermärkten und Fitnessstudios. Je nach Verarbeitungsstufe entstehen bei der Herstellung unterschiedliche Produkte mit unterschiedlichen Qualitätsmerkmalen und Preisen. Konzentrat ist am wenigsten gefiltert: Es enthält mehr Fett, mehr Kohlenhydrate, mehr Laktose, und der Proteinanteil liegt in der Regel zwischen 70 und 80 Prozent. Isolat ist dagegen stärker gefiltert und der Proteingehalt liegt bei über 90 Prozent. Hydrolysat ist vorverdaut – die Proteine wurden bereits in kleinere Bestandteile aufgespalten.

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