Marc Hansen ist wieder da. Der neu-alte Abgeordnete und ehemalige DP-Minister verrät uns, warum er lieber mit Argumenten als mit Schlagzeilen überzeugt, und weshalb Geduld, Sachlichkeit und Kompromissbereitschaft für ihn zentrale Werte bleiben.
Marc Hansen war in seinem politischen Leben schon Schöffe, Abgeordneter, Staatssekretär und Minister – und ja: Journal-Direktor war er auch einmal. Nach den Parlamentswahlen von 2023, bei denen er auf der Nordliste seine Partei auf dem dritten Platz landete und damit den Einzug ins Parlament verpasste, hatte er sich vollständig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Vergangenen Monat rückte der 54-Jährige für seinen DP-Parteikollegen Fernand Etgen in der Abgeordnetenkammer nach, da dieser sich in die politische Rente verabschiedet hat.
Lëtzebuerger Journal: Sie haben das Image eines Langweilers. Sind Sie ein Langweiler?
Marc Hansen: Das hängt davon ab, wie man einen Langweiler definiert. Wenn ein Langweiler einer ist, der sich in Dossiers vertieft und sich auf seine politischen Aufgabengebiete vorbereitet, dann bin ich ein Langweiler. Ansonsten glaube ich aber, und das müssen sie mein privates Umfeld fragen, dass ich auch sehr lustig sein kann. In der politischen Welt bin ich aber tatsächlich seriös, versuche ich doch mit Argumenten anstatt mit witzigen Floskeln zu überzeugen.
Dass Sie kein "Dëppefest-", sondern ein "Dossier"-Mensch sind, haben Sie dieser Tage ja schon in einem anderen Interview gesagt. Das Problem ist aber, dass "Dëppefest"-Menschen eher gewählt werden als Aktenfresser.
Das mag sein. Es ist ja aber nicht so, dass ich nicht manchmal doch auf ein "Dëppefest" gehe, und dass ich nicht mit den Leuten reden würde. Ich bin aber sicherlich nicht derjenige, und das habe ich nicht mal während meiner lokalpolitischen Zeit gemacht, der nachts um 3.30 mit dem letzten Bier in der Hand als Letzter die Tür schließt.
Sie haben demnach auch nicht vor, sich vor den nächsten Wahlen einen Dackel zuzulegen?
Es ist jedem freigestellt, in seinem Leben das zu tun, was er will, ob er jetzt einen Hund hat oder nicht. Wenn man dies jedoch aus elektoralen Gründen machen würde, dann finde ich das definitiv nicht gut.
Nach den Parlamentswahlen von 2013 und 2018 sind Sie im vergangenen Monat, nach dem Rückzug von Fernand Etgen in den politischen Ruhestand, erneut in die Abgeordnetenkammer nachgerückt. Zu Ihrem ersten Regierungsposten als Staatssekretär kamen Sie ja auch nur, nachdem André Bauler seinen Posten aufgab, und Minister wurden Sie erst, als Maggy Nagel zurücktrat. Sind Sie so was wie der ewige Nachrücker?
Wenn man sich die Zahlen (die Wahlergebnisse, d. Red.) anschaut, dann kann man das nicht verneinen, aber das gehört nun einmal zum demokratischen System dazu.
Fühlt man sich da nicht trotzdem manchmal als zweite Wahl?
Absolut nicht. Wenn man wie ich bei den letzten Legislativwahlen Drittgewählter im Norden war, dann ist das ja auch ein Beweis, dass einem die Leute vertrauen.
Man könnte auch sagen, wer zuletzt lacht, lacht am besten, oder?
(lacht) Ich bin ja keiner, der darauf wartet, dass ein anderer sich zurückzieht. Das Wahlsystem ist wie es ist, und wenn es an mir ist nachzurücken, dann nehme ich das Mandat eben an, was diesmal auch der Fall war.
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