Nicht der bravste Schüler

Von Pascal SteinwachsLex Kleren

Im Rahmen unserer Sommerserie, die inzwischen längst eine Herbstserie geworden ist, machten wir auch einen Abstecher nach Differdingen, der Heimat von Claude Meisch. Dort erzählte der Bildungsminister dem Lëtzebuerger Journal, bei dem er als Student zeitweise Lokalkorrespondent war, mit welchen Orten er besondere Erinnerungen verbindet.

Es war einer dieser Tage, wie sie in diesem Spätsommer häufiger vorkamen, nämlich herrlich sonnig und herrlich warm – zum Arbeiten eigentlich zu schade, aber als richtige Arbeit kann man so einen Ausflug wohl nicht bezeichnen. Zur Einstimmung hörten wir auf dem Weg nach Differdingen übrigens, nicht sehr originell, Oberkorn (It’s A Small Town) von Depeche Mode. Die Gruppe, die kurz danach Weltruhm erlangen sollte, hat hier (im Rainbow Club) nämlich Anfang der 80er Jahre ein Konzert gegeben, das die Gruppe anscheinend derart geprägt hat, dass sie die B-Seite einer ihrer Singles (The Meaning Of Love) nach Oberkorn benannte.

Seitdem steht Oberkorn, das – nur zur Erinnerung – eine Ortschaft der Gemeinde Differdingen ist, auf der internationalen Musiklandkarte, auch wenn dies den wenigsten Differdingern bekannt sein dürfte. Wir vergaßen bei unserem Besuch leider, Claude Meisch nach dieser Anekdote zu befragen, aber mit elf Jahren dürfte er vom seinerzeitigen Auftritt von Depeche Mode sowieso nichts mitbekommen haben.

Wenn Esch die Metropole des Südens und Düdelingen die hippste aller Südgemeinden ist, dann ist Differdingen das ungeliebte Stiefkind. Auf den ersten Blick ist die Stadt wirklich keine Schönheit, beim zweiten Blick immer noch nicht, aber beim dritten und vierten Blick … man muss nur den richtigen Blick haben.

Als Treffpunkt hatte Claude Meisch das Creative Hub 1535° vorgeschlagen, das etwas berlinflairiges an sich hat, genauso wie im Sommer die paar Meter rund um die Bonneweger Rotunden oder das Areal der Escher Kufa. Vor allem wenn man, wie der Schreiber dieser Zeilen, noch nie da war, ist das tatsächlich ein cooler Ort, wie wir beim Warten auf den Minister feststellen konnten. Leicht abgerockte Architektur und viele coole Leute, von denen wiederum auffallend viele tätowiert und gepierct sind. Und dann kommt Claude Meisch: nicht tätowiert, nicht gepierct, aber auf seine Art irgendwie trotzdem cool. Seine Krawatte hatte der Minister im Büro gelassen, seine Anzugsjacke lässig über die Schulter geworfen.

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