Editorial – Ein Angriff auf Véronique Poujol ist ein Angriff auf uns alle

Von Camille Frati, Misch Pautsch Für Originaltext auf Französisch umschalten

Unsere Kollegin Véronique Poujol ist Ziel einer abscheulichen Verleumdungskampagne im Internet. Es ist nicht nur ein Angriff auf den Journalismus sondern auf die Demokratie. Die Redaktion des Lëtzebuerger Journal steht voll und ganz hinter ihr.

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Vor dem Zeitalter des Internets schnitten Erpresser*innen Groß- oder Kleinbuchstaben aus Zeitungsartikeln aus und klebten sie auf ein Blatt Papier, das sie per Post an die bedrohte Person oder an die Medien schickten, wenn sie in der Öffentlichkeit für Aufsehen sorgen wollten. Die Wirkung hing vom guten Willen der Medien und deren Urteilsvermögen ab.

Heute reicht es aus, eine Domain zu kaufen und eine sogenannte "journalistische Recherche" online zu stellen, um einen Namen ungestraft in den Schmutz zu ziehen, da es heute genauso einfach ist, sich hinter Briefkastenfirmen am anderen Ende der Welt zu verstecken, wie es früher war, eine Briefkastenfirma in Luxemburg zu gründen.

Unter dem Haufen grotesker und unbegründeter Verleumdungen, in denen Véronique Poujol Voreingenommenheit und diffamierende Absichten vorgeworfen werden, trifft nur eine zu: Sie ist eine "gefürchtete" Journalistin. Gefürchtet ist sie sicherlich von den Gaunern der Finanzwelt, die es vorziehen würden, wenn niemand ihre Verurteilung durch die Justiz wegen ihrer Veruntreuungen aufdecken würde, mit denen sie sich durch die Umgehung einer Steuerbehörde oder durch Geldwäsche bereichern wollten. Gefürchtet mag sie auch von bestimmten Regierungen gewesen sein, als sie in den 1980er Jahren die Unzulänglichkeiten der Geldwäschegesetze aufdeckte oder 2013 die "Uhren-Affäre" ans Licht brachte. Sie wird gefürchtet, weil sie ihre Themen mit Strenge und Unparteilichkeit bearbeitet.

Nie hat sie einen Artikel verfasst, um jemandem zu schaden, und nie hat sie sich – weder in der Redaktion noch privat – damit gerühmt, diesen oder jenen an den Pranger zu stellen. Ihre Artikel sind sachlich, fundiert, mit Quellenangaben versehen und niemals rachsüchtig. Ihre Ethik und die Qualität ihrer Arbeit wurden übrigens jedes Mal von der Justiz anerkannt, wenn ein angebliches Opfer ihrer Feder sie vor Gericht gezogen hat. Seit fast 40 Jahren wagt es Véronique Poujol, Themen zu behandeln, vor denen andere Journalist*innen meist zurückschrecken, weil sie zu technisch oder zu heikel sind. Damit hat sie, wahrscheinlich mehr als jede*r andere Journalist*in, der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit im Großherzogtum gedient. Genau das kann ihr heutiger Anonymer nicht ertragen.

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