Kürzung mit System

Von Christian BlockLex Kleren

Das konsequente Abschneiden von Ferkelschwänzen ist seit fast 30 Jahren EU–weit untersagt. Doch die Realität im Schweinestall sieht anders aus. Ziel der Veterinärverwaltung ist es, den Eingriff mittels Sensibilisierung künftig nur noch in Ausnahmefällen zu ermöglichen. Ob das gelingt?

Keine zwei Sekunden vergehen, dann ist der Eingriff vorbei. Der Heißschneider hat etwa ein Drittel des Schwanzes des Ferkels abgetrennt und die Wunde geschlossen. Was schmerzhaft klingt, scheint dem wenige Tage alten Ferkel, zumindest aus der Außenperspektive, wenig auszumachen. Kurz darauf tummelt es sich wieder unter seinen Geschwistern, als wäre nichts gewesen.

Kupieren nennt sich der Vorgang im Fachjargon. Doch obwohl die systematische Schwanzkürzung bei Schweinen seit Anfang der 1990er Jahre in der EU untersagt ist, ist die Praxis in den meisten Staaten immer noch weit verbreitet. Belege gibt es einige (siehe Infobox). Im Oktober 2013 bestätigte die EU-Kommission etwa in einer Stellungnahme, dass „das Kupieren von Schwänzen in der EU eine weitverbreitete Praxis [ist]“. In der Antwort auf einige beim EU-Parlament eingegangene Petitionen sah sie aber in erster Hinsicht die EU-Mitgliedstaaten in der Pflicht, „für die ordnungsgemäße Anwendung des Unionsrechtes“ zu sorgen. Zudem wurde auf die ihnen zur Verfügung stehenden „wirksamen Instrumente zur Verhängung von Sanktionen“ verwiesen. Drei Jahre später veröffentlichte das Exekutivorgan eine Empfehlung und führte Sensibilisierungsmaßnahmen durch, die aber wenig Erfolg hatten. Außerdem forderte die Kommission die Staaten „bis Januar 2018“ zur Umsetzung von Aktionsplänen auf.

Aus Sicht des konventionellen Schweinesektors ist das Kupieren unerlässlich, um ein Anknabbern der Schwänze, eine Verhaltensstörung, zu verhindern. Denn das kann bei den kannibalistisch veranlagten Tieren in einem Blutbad enden. Zuchtbetriebe sprechen von einer unangenehmen Arbeit, auf die sie am liebsten verzichten würden. Auch weil es Zeit und Geld kostet, den Eingriff abhängig von der Betriebsgröße bei hunderten Tieren im Monat vorzunehmen. In ihrer Logik ist das Kupieren ein präventiver Eingriff, der letztlich sogar im Interesse des Tierschutzes sei. Denn ein angebissener Schwanz sei das Todesurteil eines Tieres. Freilich sehen das nicht alle so. Tierschützer*innen etwa. Aber auch in der Wissenschaft gibt es Stimmen, die im Kupieren einen schmerzvollen Eingriff sehen.

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