Im Revier der Skatepark-Sprayer

Von Laura TomassiniLex Kleren

Es ist wohl kaum zu übersehen: Wer am Schulcampus „Geesseknäppchen“ in Hollerich vorbeifährt, dem fällt das imposante „Monk“-Graffiti oben im Skatepark direkt ins Auge. Eigentlich seltsam, dass ein gesprayter Name auf einem Gebäude plötzlich zum Stadtbild gehört, als ob er schon immer da gewesen wäre. Graffiti-Künstler Stick war dabei, als 1998 in Hollerich alles losging – zumindest offiziell.

„Damals hat uns die Verwaltung des Skateparks kontaktiert, um im Rahmen eines Skatecontests eine Graffiti-Jam zu organisieren. Wir sollten die Halle von innen bemalen, der Rest des Schlachthauses war zu dem Zeitpunkt noch ganz weiß“, erinnert sich Stick. 1998 gehörte der Luxemburger Künstler zu den ersten im Großherzogtum, die der famosen Spraydose eine Konstante gaben und eine Szene etablierten. Bereits in den frühen 70ern hatte Graffiti den Weg nach Luxemburg gefunden. So richtig groß wurde die Kunst jedoch erst mit der späteren Skatepark-Clique, die quer durchs Land ihre Farbe versprühte. Öffentliche Gebäude, Brücken, versteckte Mauern – dem Revier der „Graffer*innen“ waren keine Grenzen gesetzt, ihre Namen fand man quasi überall. Im Innern des Hollericher Skateparks sollte jedoch eine ganz besondere Klientel sich zuhause fühlen, Stick und seine Kumpels waren dafür genau die richtigen Ansprechpartner.

Seine Spuren, sowie die von Spike, Sumo und Epos verliefen Ende der 90er wie Brotkrümel vom Stadtkern bis hin zum Jugendhaus, in dem die Sprayer ihre Freizeit verbrachten. „Die Szene hatte sich schon um 1995 entwickelt, mit organisierten Events und Connections ins Ausland, nach Trier oder Brüssel“, sagt der Künstler, der den Namen „Stick“ aufgrund seines langen, dünnen Erscheinungsbildes von einem Kumpel erhalten hatte. Die Hollericher „Hall of Fame“ war eines der kleinen Projekte, durch das die Graffer*innen an Legalität gewannen. Davor herrschte in Luxemburg das Gesetz des Dschungels, wie Stick es gerne nennt: „Als Sohn von Geschäftsleuten habe ich zwar nie gerne geklaut, aber wenn man in den 70ern und 80ern keine Dosen oder Autolack mitgehen ließ, dann war man gar nicht richtig in der Szene drin.“

Eine ganze Kultur

Auch im Skatepark zeigte sich schnell, dass Graffiti sich als Kunst nicht bändigen lässt – nicht mal im Rahmen eines offiziellen Auftrags. Anfangs nur als Spray-Session im kleinen Kreis angedacht, platzte das Hollericher Projekt schnell aus allen Nähten und die ursprünglich weißen Außenmauern der Gebäude wurden zur Zielscheibe für die Künstler*innen. „Wir haben uns nach und nach immer mehr Platz genommen, bis es irgendwann relativ krass wurde und die Verantwortlichen alles wieder überstreichen wollten“, so Stick. Rund 30 Mann hatten den Weg nach Luxemburg gefunden, um das alte Schlachthaus neu zu gestalten. Dabei zog die Initiative nicht nur Sprayer*innen an, sondern zahlreiche unterschiedliche Gesichter der Szene. „Früher war diese relativ einheitlich. Es war alles vermischt und verbunden mit den anderen Disziplinen. Man ging zu einem Konzert, lernte Rapper kennen, DJs, es waren Breakdancer da, Graffer haben die Toiletten getaggt. Es war eine ganze Kultur.“

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