"Ich bin bestimmt nicht der letzte Kommunist"

Von Pascal SteinwachsLex Kleren

Nach über 25 Jahren an der Spitze der Kommunistischen Partei zieht Ali Ruckert sich von seinem Präsidentenposten zurück. Mit uns blickt er auf seine Zeit als Parteichef zurück, verteidigt unbeirrt marxistische Positionen und skizziert die Zukunft der KPL in stürmischen Zeiten.

Wir treffen Ali Ruckert in den Räumlichkeiten der Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek, dessen Chefredakteur der KPL-Präsident nun auch schon seit über 30 Jahren ist. Im selben Haus auf Nummer 3 der – und das dürfte kein Zufall sein – nach einem der Gründer der KPL und erstem kommunistischen Abgeordneten benannten Rue Zénon Bernard befindet sich praktischerweise ebenfalls der Sitz der KPL.

Das Gespräch mit dem scheidenden Präsidenten findet in einem vollgestellten Besprechungsraum statt, der gerade renoviert wird. Überall stapeln sich Bücher, Plakate, Zeitungen und Umzugskisten; an der Wand stehen Porträts von Lenin und Engels sowie eine Reproduktion von Picassos Guernica. Ali Ruckert nimmt sich ausführlich Zeit für uns, und spart dabei nicht mit Anekdoten, die aber leider nicht zitierfähig sind.

Lëtzebuerger Journal: Mit Ihnen, und wir lassen Jean Asselborn, den anderen berühmten Schnäuzer Luxemburgs, jetzt mal außen vor, geht nach über 25 Jahren an der Spitze Ihrer Partei demnächst der bekannteste Schnurrbart unseres Landes von Bord. Haben Sie sich diesen Schritt auch wirklich gut überlegt? Ein Kapitän verlässt ja schließlich nicht sein sinkendes Schiff.

Ali Ruckert: Es ist ja nicht so, dass der Kapitän sein Schiff verlassen würde, das übrigens gar nicht am Sinken, sondern immer noch seetüchtig ist, auch wenn das Meer für uns inzwischen sehr stürmisch ist. Der Kapitän bleibt jedenfalls an Bord, übernimmt aber eine andere Funktion.

Wissen Sie denn schon, welche Funktion Sie zukünftig übernehmen werden?

Nein, das obliegt dem Zentralkomitee, das die eigentliche Leitung der Partei innehat, und das auf unserem Kongress gewählt wird. Der Präsident ist bei uns nur der Primus inter Pares (dt. Erster unter Gleichen, d. Red.).

Nach außen hin waren Sie aber ganz klar das Gesicht der KPL.

Das mag stimmen. Wenn ich auf dem Kongress in das Zentralkomitee wiedergewählt werde, dann werde ich jedenfalls meine Arbeit dort fortsetzen.

Und wann ist dieser Kongress?

Voraussichtlich im Oktober oder im November. 

Mit Ihrem unverwechselbaren Peppone-Look haben Sie Ihre Partei auf jeden Fall in den letzten Jahren und Jahrzehnten wie kein anderer geprägt. Sie gelten als der letzte Mohikaner der KPL, als Last Man Standing. Nach Ihnen gibt es jetzt nur noch Jean-Claude Juncker, der sich ja immer wieder gerne als letzten Kommunisten bezeichnet hat. Wer soll denn nun die Präsidentenrolle übernehmen? Uns fällt außer Ihnen nämlich gerade kein anderer Kommunist oder andere Kommunistin ein.

Wir haben einige hundert Mitglieder …

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