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Von Natalia PiknaLex Kleren Für Originaltext auf Englisch umschalten

Im Oktober 2020 gab die Luxemburgische Gesellschaft für Psychiatrie eine alarmierende Erklärung ab. Der derzeitige Mangel an Psychiater*innen werde sich durch Pensionierungen und wenige Bewerber*innen nur noch verschärfen. Gibt es eine robuste Gesellschaft ohne eine robuste Psychiatrie? Ein Blick auf die aktuelle Krise und ihre Auswirkungen.

An der Spitze der Luxemburger Gesellschaft für Psychiatrie, Pädopsychiatrie (der Zweig der Psychiatrie, der Kinder und Jugendliche behandelt, Anm. d. Red.) und Psychotherapie (SLPPP) steht der Psychiater Paul Hédo, der im Centre Hospitalier de Luxembourg (CHL) arbeitet. Doktor Paul Hédo ist ein optimistischer Mensch ‒ „wenn ich es nicht wäre, wäre ich nicht hier“ ‒ aber sein Optimismus gerät angesichts der aktuellen Entwicklungen manchmal ins Wanken.

Er ist dankbar, dass die Gesundheitsministerin, Paulette Lenert (LSAP), in Fragen der psychischen Gesundheit sehr kooperativ ist. Aber es sei klar, dass jetzt dringend gehandelt werden muss. Laut dem 2019 veröffentlichten LAIR-Bericht (État des lieux des professions médicales et des professions de santé au Luxembourg) werden zwischen 2019 und 2034 81 Prozent der Erwachsenenpsychiater*innen und 63 Prozent der Kinderpsychiater*innen in den Ruhestand gehen. Im Jahr 2020 stellte die Pressemitteilung diese beunruhigende Tatsache fest: „Einige Kollegen sind gezwungen, neben ihrer normalen Arbeit bis zu zehn unbezahlte 24-Stunden-Schichten pro Monat für Patienten zu leisten.“ Demgegenüber ist nach Angaben des Gesundheitsministeriums „im Laufe eines Jahres ein Drittel der Bevölkerung von einer psychischen Erkrankung betroffen“.

Zwei Jahre nach der Mitteilung haben wir uns mit Dr. Paul Hédo zusammengesetzt, um die aktuelle Situation zu besprechen. Der Mangel hat sich nicht verflüchtigt, in den psychiatrischen Diensten der Krankenhäuser gibt es immer noch unbesetzte Stellen und einen akuten Bettenmangel. Die Zahl der Betten pro 100.000 Einwohner*innen ist seit 2004, als sie bei 109 lag, stetig gesunken, 2016 auf 78 Betten und 2018 laut Eurostat nur noch auf 74. Erschwerend kommt hinzu, dass Luxemburg, egal ob es sich um die Zahl der Psychiater*innen oder der Betten im Verhältnis zur Bevölkerung handelt, ein Sonderfall ist, bei dem die Statistiken die Realität nur selten korrekt wiedergeben. „Die Zahl der Betten wurde auf der Grundlage der Bevölkerung vor dreißig Jahren berechnet und nicht einmal auf der Grundlage der Zahl der Versicherten“, fügt Dr. Hédo hinzu. In der Tat sind viele Grenzgänger*innen bei der nationalen Gesundheitskasse gemeldet und nehmen zu Recht die medizinischen Dienste Luxemburgs in Anspruch, aber das spiegelt sich nicht im Angebot wider. Das Personalproblem ist vielfältig.

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